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Der 1. CLC Promptathon - Co-Creation als Schlüssel zur Innovation – ein Erfahrungsbericht

Der 1. CLC Promptathon: Co-Creation als Schlüssel zur Innovation -- ein Erfahrungsbericht

Autor: Felix Fechner

Als ich im April 2024 das SAP-Guesthouse Cloud44 in Walldorf betrat, war sofort spürbar, dass ich mich zu keinem gewöhnlichen Workshop angemeldet hatte. Über hundert Menschen, hybrid zwischen Präsenz und Online, brachten Neugier, Offenheit und die Lust auf gemeinsames Experimentieren mit. Das Setting erinnerte an ein Barcamp: klarer Rahmen, viel Selbstorganisation, kurze Impulse, dann lange Phasen des „Doing". 14 Challenges im Kontext KI standen bereit. Von Insta-Lernhäppchen über agiles Methoden-Coaching, bis zu Marketing und Kommunikationskonzepten. Die Challenge, die vor allem mein Interesse weckte, lautete: „Generiere Deinen Podcast mit KI". Unser Ziel war es, mithilfe von KI ein authentisches Podcast-Skript zu erstellen und daraus eine realistische Audio-Folge zu generieren. „Stretch Goals" bestanden darin, zusätzlich ein passendes Titelbild zu entwerfen und die Audio-Folge mittels einer Text-to-Speech-Engine automatisiert zu erstellen.

In unserem fünfköpfigen Team (Torben, Torsten, Stephan, Rolf und ich) war eine Rollenverteilung nicht nötig; sie entstand organisch aus Stärken und Interessen; auch oder gerade weil wir uns zuvor unbekannt waren, aus unterschiedlichen Organisationen kamen und dort verschiedenste Rollen innehaben. Das stellte sich als sehr großer Mehrwert heraus. Wir starteten mit einem strukturierten, aber dennoch offenen Vorgehen: Zunächst klärten wir gemeinsam die Rahmen-bedingungen auf einem digitalen Whiteboard. In einem intensiven Brainstorming wählten wir unser Lernthema und analysierten Zielgruppen und Personas. Wir erstellten eine klare Zielgruppenbeschreibung („Interessierte Zuhörende im beruflichen Kontext, die einen Podcast mittels KI erstellen möchten"), bestimmten das technische Equipment und definierten Kapitelthemen („Welches Equipment wird benötigt?", „Technische und softwareseitige Voraussetzungen"). Ebenfalls wurde das Mentor-Mentee-Verhältnis zwischen einem fiktiven Podcast-Experten und einer Person, die das Podcasting lernen möchte, als Podcast-Setting definiert.

Unser Podcast erhielt schließlich den Titel: „Dr. Algorithmus: AI-Powered Podcasting, a Masterclass" - mit dem Ziel, interessierten Lernenden im Corporate-Umfeld die KI-gestützte Podcast-Erstellung näherzubringen. Nach der Konzeptphase erarbeiteten wir detaillierte Personas, etwa „Dr. Alex R. Morgan", einen 35-jährigen KI-Innovator und Podcast-Strategen. Alex wurde als Experte positioniert, der in einem fiktiven Dialog praxisnahe Einblicke zum erfolgreichen Einsatz von generativen KI-Modellen gibt. Ergänzend generierten wir ein „Panel of Experts", das aus Podcast-Produzierenden, Audio-Ingenieur:innen, Marketing-Expert:innen und Social-Media-Manager:innen bestand. Dies half uns, eine realistische Expert:innenrunde zu simulieren und ein umfassendes Podcast-Skript zu erstellen.

Podcasting-Team (von links nach rechts: Stephan Barber, Torben Linnhoff, Felix Fechner, Rolf, Müller, Torsten Schmidt) auf dem CLC Promptathon (Quelle: Felix Fechner), Auf dem Bild sehen wir fünf Männer nebeneinander, die in die Kamera lächeln. Es sind Stephan Barber, Torben Linnhoff, Felix Fechner, Rolf, Müller und Torsten Schmidt. Hinter ihnen ist ein großer Bildschirm. Auf dem Bildschirm ist ein bunter Hintergrund in Orange und Gelb zu sehen. Darauf sieht man einen blauen Roboter mit Kopfhörern und einem Mikrofon. Außerdem steht dort der Text: „Dr. Algorithmus - a Masterclass".

In einem Schritt-für-Schritt-Verfahren, von der Zielgruppenbestimmung über die Themenfindung, bis hin zur technischen Umsetzung, schufen wir schließlich ein Skript für eine erste Episode. Der generierte Podcast-Dialog enthielt authentische Gesprächselemente: Begrüßung, Einführung ins Thema, Praxisbeispiele und Interaktion zwischen Mentor und Mentee. Die von der KI generierten Gesprächsinhalte wirkten natürlich, informativ und sehr glaubwürdig.

Besonders lehrreich war für uns die iterative Optimierung unserer Prompts. Jeder Zwischenschritt brachte uns wertvolle Erkenntnisse: Wir bemerkten, dass präzise Anweisungen an die KI zwingend nötig sind, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Aus dem Feedback jeder Iteration lernten wir unmittelbar -- ein Prozess, der uns nicht nur technisch weiterbrachte, sondern auch methodisch und im Team enger zusammenwachsen ließ. In unseren Learnings hielten wir später fest: „Gemeinsam prompten bringt so viel mehr und macht deutlich mehr Spaß!".

Parallel zur inhaltlichen Erarbeitung entstand ein passendes Podcast-Titelbild, erstellt mithilfe von DALL-E, das unserem Podcast einen professionellen visuellen Rahmen gab. Mit der Elevenlabs Text-to-Speech-Engine generierten wir anschließend eine hochwertige Audio-Datei, die unserem Podcast „Dr. Algorithmus" Leben einhauchte.

Unser Vorgehen dokumentierten wir klar und strukturiert: vom Brain-storming, Zielgruppenanalysen, der Erstellung der Personas und Expert:innen-Panels, bis hin zur technischen Umsetzung, Audioproduktion und abschließender Reflexion auf einem interaktiven digitalen Whiteboard. Die klaren Schritte, etwa „Brainstorming und Aufgabenverteilung", „Optimierung der Ergebnisse" und „Zusammenführen des Prompts zur finalen Podcast-Folge", ermöglichten uns ein systematisches und zugleich kreatives Arbeiten.

Ein Jahr später blicke ich auf diesen ersten Promptathon mit großer Faszination zurück. Was wir damals aufwändig und in intensiver gemeinsamer Handarbeit erreicht haben -- vom detaillierten Persona-Profil über sorgfältig komponierte Dialoge, bis hin zum präzisen manuellen Schnitt der Audio-Dateien, ist heute durch leistungsfähige LLMs mühelos möglich. Ein einziger gut formulierter Prompt genügt nun, um professionelle Podcast-Folgen innerhalb weniger Minuten komplett automatisiert zu generieren.

Doch der wahre Wert unserer damaligen Erfahrung liegt nicht allein im technischen Fortschritt. Entscheidend war, dass wir durch die sorgfältige gemeinsame Arbeit tiefgreifende Einsichten in die Nutzung generativer KI gewannen. Das Format des Promptathons der CLC, geprägt von co-kreativer Zusammenarbeit, gegenseitiger Inspiration und systematischer Reflexion, erwies sich als idealer und nachhaltiger Einstieg in die komplexe Welt der Erstellung KI-basierter Inhalte.

Für mich persönlich markierte dieser erste Promptathon den Beginn einer inspirierenden Reise mit generativer KI. Vor allem aber steht er für eine Lernerfahrung, die bis heute nachwirkt: Die Fähigkeit, Neues mit Neugier, Offenheit und gemeinsamem Tatendrang zu erkunden, ist mindestens so wichtig wie die rasante technologische Entwicklung.

Die Corporate Learning Community zeigte mir einmal mehr eindrucksvoll auf, wie wertvoll das gemeinsame Lernen, Austausch, Experimentieren und Gestalten ist. Über Organisationsgrenzen und Expertisengebiete hinweg.

Digitaler Sessionplan auf dem #CLC19HH (Foto von Christian Augustin, im Auftrag von Nordmetall, CC BY 4.0), Das Bild stammt vom Corporate Learning Camp 2019. Auf dem Bild sieht man im Vordergrund einen Laptop. Auf dem Bildschirm ist eine bunte Tabelle mit Terminen und Text zu sehen, ein Ausschnitt aus dem Sessionplan. Im Hintergrund sitzen mehrere Personen und sprechen miteinander, aber sie sind unscharf.

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