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Christianlernt Community

#Christianlernt Community

Autor: Christian Kaiser

Einstieg und erste Begegnungen

Ich bin bewusst nach Hamburg zum Corporate Learning Camp 2025 gefahren -- nicht nur wegen der Sessions, sondern weil dort der Abschied von Karlheinz Pape gefeiert wurde. Seine Rolle in der Corporate Learning Community hat mir gezeigt, was möglich ist, wenn Lernen gemeinschaftlich gedacht wird.

Rückblickend bin ich mir gar nicht sicher, wann ich zum ersten Mal mit der Corporate Learning Community in Kontakt kam. Kolleg:innen der HR-Learning-Abteilung hatten mich zu einem Treffen der #CLC90-Gruppe bei DATEV eingeladen. Ich wusste, dass wir im Austausch mit der Community standen, war aber persönlich bislang nicht involviert. Und dennoch war da ein großes Interesse. Eine Ahnung, dass hier etwas passiert, das anders ist als klassische Weiterbildungs-Vernetzungs-Formate.

Mein erstes CLC-Barcamp: Koblenz 2019

Die Kontakte ermutigten mich zur Anmeldung zum 10. Corporate Learning Camp in Koblenz. Ich war froh, mir eines der 300 begehrten Tickets sichern zu können. Seit 2017 hatte ich mit Barcamps experimentiert, sie in unsere Organisation getragen -- und die Teilnahme am Corporate Learning Camp in Koblenz war für mich der nächste logische Schritt.

Was ich dort erlebte, hat mich tief beeindruckt. Die Leichtigkeit, mit der Karlheinz das Barcamp moderierte. Die Selbstverständlichkeit, mit der Menschen Verantwortung übernahmen. Die Offenheit, mit der Pivi Scamperle die Strategieentwicklung der Community mit uns teilte. Und Simon Dückert, der mir erst geduldig erklärte, was ein Assembly-Tisch ist und dann, was Working Out Loud mit lernOS verbindet und worin es sich unterscheidet.

Ich erinnere mich noch gut an die Atmosphäre in Koblenz: Es war\ vibrierend. Lernend. Die Selbstverständlichkeit, mit der dort bereits hybride Sessions gestaltet wurden, hat mich begeistert. Sie wurde dann zwar durch einen Feueralarm unterbrochen. Und doch: Die Community reagierte souverän, improvisierte, und nutzte die Störung zum gemeinsamen Foto im Hof.

Teilgebende auf dem #CLC19 (Foto von Charlotte Venema), Das Foto ist auf dem Corporate Learning Camp 2019 entstanden. Wir sehen eine große Gruppe von Menschen draußen vor einem Gebäude. Viele von ihnen lächeln, schauen in Richtung Kamera und heben beide Hände in die Luft. Viele tragen Namensschilder um den Hals.

Sicherheit in der Unsicherheit -- eine Begegnung mit Wirkung

Und es gibt noch eine weitere Erinnerung, die ich mit dem Corporate Learning Camp in Koblenz verbinde. 2019 haben wir unser erstes DATEV-CoCreationCamp geplant -- ein Barcamp mit Kolleg:innen sowie Trainer:innen und Berater:innen zur Reflexion der organisationalen Transformationsprozesse. Ich hatte schon Erfahrung in der Barcamp-Moderation, aber dieses Format war dennoch etwas Neues für uns. Ich machte mir Sorgen, ob das funktionieren kann? Ob die Teilnehmenden mitgehen würden und die Intention der angedachten Kokreation gelingen kann?

Am Rand der Veranstaltung fragte ich Karlheinz Pape, wie er das einschätzt. Ob er glaubt, dass so eine Initiative gelingen kann. Ich weiß nicht mehr genau, was er gesagt hat. Aber ich weiß noch, wie ich mich danach fühlte: bestärkt, ermutigt, sicher. Karlheinz hatte mir -- wie so oft -- das Gefühl gegeben, dass es gehen wird. Dass es sich lohnt. Es steht für mich sinnbildlich für die Art und Weise, wie Karlheinz unterstützt: leise, aber wirkungsvoll. Klar, aber nie dogmatisch. Mutgebend.

Trotzdem: Am ersten Abend des #CLC19 hatte ich das Gefühl, noch nicht wirklich dazuzugehören. Ich war eher Beobachter der #krassenHerde. Beeindruckt, aber noch nicht Teil des Ganzen.

Digitale Lernräume und die Reflexion der lernenden Organisation

Dann kam die Pandemie. Die digitalen Formate der CLC und der lernOS Community wurden für mich zu einer zentralen Quelle der Orientierung. Ich habe gelernt, wie Online-Barcamps funktionieren, wie man digitale Lernräume schafft, wie Community auch virtuell gelebt wird. Diese Erfahrungen waren für mich transformativ. Ich begann zu verstehen, was es heißt, eine lernende Organisation auch digital zu leben. Nicht als Schlagwort. Sondern als Haltung.

Ein besonderer Moment war dabei die lernOS Convention 2021. Ich durfte dort über „#DATEVlernt\" sprechen -- unser experimentelles Transformationsdesign. Simon Dückert hatte mich ermutigt, unseren Ansatz zu teilen. Das Konzept lernOS für Organisationen hat eine hohe Passung zu unseren Aktivitäten.

DATEV als Lernlabor: Erfahrungen aus dem #CLMOOC24

Die Einladung an die DATEV, beim Corporate Learning MOOC #CLMOOC24 im Jahr 2024 eine Woche zu gestalten, markiert für mich eine weitere Entwicklung der Kooperation. Wir konnten zur Diskussion stellen, wie bei DATEV Lernen konkret im Arbeitsalltag verankert ist. Der Beitrag „#DATEVlernt als Erfolgsfaktor für DATEV -- Die strategische Bedeutung von Lerninitiativen" bildete dabei den Auftakt. Wir wollten in der Woche nicht ein idealtypisches Bild zeichnen, sondern unsere echten Erfahrungen teilen, auch unsere offenen Fragen.

Formate, die Lernen ermöglichen

Wir stellten das Big Picture der DATEV-Unternehmensstrategie vor und verknüpften es mit den vielfältigen Lerninitiativen, die in den letzten Jahren gewachsen sind. Dabei ging es nicht um eine Inszenierung von „Best Practices", sondern um die Auseinandersetzung mit Lernprozessen im Wandel. So haben wir das Peer-Learning-Format „WdW -- Wenn DATEV wüsste, was DATEV weiß" vorgestellt -- eine strukturierte, aber informelle Plattform für kollegialen Wissensaustausch über Bereichsgrenzen hinweg.

Neben dem Konzept der mobilen Ausbildung war ein Highlight der KI-Promptathon, bei dem wir vorgestellt haben, wie Prompt Engineering in kollaborativen Settings funktionieren kann.

Die Peer Learning-Initiative „Learning Circle Experience" mit dem Lernpfad zum „Digitalen Ökosystem" und die „Lernamig@s -- Qualifizierung für Lernmultiplikator:innen" runden dieses Bild ab -- sie alle sind konkrete Antworten auf die Frage, wie Lernen in einer komplexen, vernetzten Organisation sichtbar, erlebbar und wirksam werden kann.

Und schließlich das DigiCamp -- ein Multiformat-Event, das Lernräume, Diskurs und Mitgestaltung an der nie endenden Transformation der Organisation zusammenbringt. Das DigiCamp steht exemplarisch für eine dialogorientierte Organisationsentwicklung, die Lernen als gestaltendes Element versteht.

Besonders bewegend war für mich, dass so viele Kolleg:innen aus ganz unterschiedlichen Bereichen gemeinsam an dieser Lernwoche beteiligt waren und wir bestärkendes und orientierendes Feedback aus der Community bekommen haben.

Die Learning Circle Experience: strukturiert, selbstorganisiert, wirksam

Ohne die Erfahrungen in der Corporate Learning Community und der lernOS-Community hätte es z. B. die Initiative Learning Circle Experience bei DATEV nicht gegeben. Angeregt durch Vorbilder in der Community wie z. B. SAP entstand die Idee aus dem Bedürfnis heraus, Raum für strukturierten, selbstorganisierten Austausch zu schaffen -- über Hierarchie- und Bereichsgrenzen hinweg. Ziel war es, ein Lernformat zu etablieren, das zugleich Orientierung bietet und maximale Gestaltungsfreiheit ermöglicht.

Die Learning Circle Experience (LCX) ist inspiriert vom lernOS-Ansatz und basiert auf einem wiederholbaren, 12-wöchigen Lernprozess, der in Kleingruppen organisiert ist. Die Teilnehmer:innen entscheiden selbst, welche Themen sie bearbeiten, welche Quellen sie nutzen und wie sie ihren Lernprozess dokumentieren. Diese Autonomie fördert nicht nur das individuelle Lernen, sondern vor allem auch die Entwicklung einer geteilten Lernverantwortung.

Besonders wertvoll ist dabei die Kombination aus freiwilliger Teilnahme und strukturiertem Rahmen und dem Zusammenwirken von Lernenden aus dem ganzen DATEV-Ökosystem.

Das Entscheidende: Die LCX funktioniert nicht als isoliertes Trainingsprogramm, sondern als sozialer Lernraum. Menschen kommen zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen, sich zu inspirieren und gemeinsam über ihren Arbeitskontext hinauszudenken. Es geht um Vertrauen, Resonanz und Offenheit. Genau das, was ich zuvor in der CLC erlebt hatte -- jetzt in unserer eigenen Organisation.

Ein Gefühl von Zugehörigkeit

Am Morgen des Corporate Learning Camps in Hamburg 2025 war ich zufällig beim Frühstück mit Karlheinz und seinen vier Nachfolger:innen, den

CLCFour, anwesend. Es war für mich ganzheitlich ein bedeutungsvoller

Moment. Einfach das Gefühl, in der Community angekommen zu sein.

Karlheinz Pape und die CLCFour (Quelle: Christian Kaiser)

Lernen als Lebenspraxis: 10 Learnings aus dem Lebensweg von Karlheinz Pape

Zwei Monate nach dem #CLC25 war Karlheinz Pape Gast beim CLC Inspire & Network No6 von Oliver Ewinger, Gina Bornemann und Sebastian Zwingmann.

Karlheinz teilte seinen Weg: Von der Lehrwerkstatt bei Siemens bis zur Gründung der Corporate Learning Community.

Teilnehmer Joachim Niemeier fasste die Learnings anschließend in einem Blogbeitrag in zehn Punkten zusammen:

1. Lernen ist lebenslang und biografisch verankert.

2. Vertrauen ist die Grundlage für Lernbereitschaft.

3. Lernen braucht Gestaltungsspielräume.

4. Selbstorganisation schlägt Fremdsteuerung.

5. Lernformate müssen situativ und anschlussfähig sein.

6. Community ist mehr als ein Format -- sie ist eine Haltung.

7. Wissen ist da, wenn es gebraucht wird -- nicht wenn es geplant ist.

8. Kollaboration überwindet Hierarchien.

9. Lernen geschieht in Beziehungen.

10. Jeder Mensch ist Lernende:r und Lehrende:r zugleich.

Den abschließenden Abschnitt des Beitrages möchte ich gerne vollständig zitieren, weil er auf wunderbare Weise die Lebensleistung von Karlheinz auf den Punkt bringt:

„Der Bericht von Karlheinz Pape war ein eindrucksvolles Zeugnis für den Wandel von Lernen in Organisationen -- vom hierarchisch gesteuerten Ausbildungsbetrieb hin zur selbstorganisierten, gemeinschaftlich getragenen Lernkultur. Ausgehend von eigenen Erfahrungen bei Siemens zeigt Karlheinz, wie traditionelle Bildungssysteme Lernmotivation unterdrücken können und wie wirkungsvolles Lernen stattdessen durch Vertrauen, Verantwortung und gemeinsames Gestalten entsteht.

Sein Weg von der Lehrwerkstatt bis zur Gründung der Corporate Learning Community macht deutlich: Lernen gelingt am besten dort, wo Menschen auf Augenhöhe zusammenkommen, ihre Erfahrungen teilen und gemeinsam Neues entwickeln. Ob Barcamps, MOOCs oder selbstorganisierte Onboarding-Projekte -- die Formate der Corporate Learning Community stehen für eine lernende Praxis, die offen, vielfältig und netzwerkbasiert ist.

Das zentrale Prinzip dabei: Machen, nicht fragen -- aber informieren. Es ist eine Einladung, Lernprozesse nicht nur zu planen, sondern zu ermöglichen. Und eine Erinnerung daran, dass echte Lernräume immer auch Gestaltungsräume sind -- für Menschen, die etwas bewegen wollen."

Mein Dank gilt Joachim Niemeier, der diesen Gedanken im Anschluss an das Abendevent so treffend formuliert hat -- und damit auch meinem Erleben eine Stimme gegeben hat.

Dank und Vermächtnis

Ich habe auf der Abendveranstaltung am Corporate Learning Camp in Hamburg die Zeit genutzt, mit Karlheinz einige Geschichten der gemeinsamen Community-Zeit noch einmal zu teilen und ihm ganz persönlich für seine vielen Impulse und seine ruhige, besonnene Art der Sicherheit, die er mir immer wieder vermitteln konnte, zu danken.

Christian Kaiser, Karlheinz Pape (Quelle: Christian Kaiser), Auf dem Bild stehen zwei Männer nebeneinander und lächeln in die Kamera. Es sind Christian Kaiser und Karlheinz Pape. Beide haben ein Namensschild um den Hals. Die Beleuchtung im Raum ist rot. Im Hintergrund sind weitere Personen zu sehen.

Die Art, wie er die Weiterentwicklung der Community vorbereitet hat - mit einem offenen Prozess und im Dialog mit vielen Wegbegleiter:innen - und das vitale Corporate Learning Camp mit so vielen aktiven Community-Mitgliedern in Hamburg haben eindrucksvoll gezeigt, welche großartige Basis er geschaffen hat. Ein Großer.

„Machen, nicht fragen -- aber informieren. Es ist eine Einladung, Lernprozesse nicht nur zu planen, sondern zu ermöglichen."

Ich freue mich auf das, was entsteht, wenn Menschen lernen, indem sie gemeinsam gestalten.

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