Warum braucht es ein Barcamp, oder warum ist dieses Format so wichtig
Warum braucht es ein Barcamp, oder warum ist dieses Format so wichtig?
Autor: Henning Klaffke
Die Corporate Learning Community ist eine lebendige Gemeinschaft mit vielen inspirierenden und interessanten Personen, die sich der Organisations- und Personalentwicklung und vor allem Bildungsfragen widmet. Ein Teil dieser Community zu sein, erfüllt mich mit Freude und die Vielfalt der Personen, denen man begegnet, ist einzigartig. Ich habe mich immer gefragt, was die Leute motiviert, zusammen zu kommen und sich zu auszutauschen. Doch wenn man einmal an einem Format der CLC mitgemacht hat, weiß man, warum es so ist. In der CLC wird diskutiert und ernsthaft gelernt, es werden Erfahrungen ausgetauscht, die ehrlich und ungeschönt dargestellt werden. So wird es möglich, authentisch miteinander in Fragen der betrieblichen Bildung und Weiterentwicklung voranzukommen und Lösungen zu finden. Dabei steht echtes Lernen im Vordergrund, das nachhaltig, ursprünglich und nicht incentiviert ist. Schon seit der Kindheit funktioniert das Lernen über Misserfolge. Ein Kind, das unbedingt laufen möchte, scheitert häufig und übt so lange weiter, bis das Laufen gelernt und gefestigt wurde. Misserfolge, Üben und Voneinander Lernen haben wir in formalen Bildungssystemen allerdings häufig abtrainiert. In der Schule wird für die Prüfung gelernt und die Ergebnisse werden belohnt. Der Weg findet in der Regel wenig Beachtung. Genau das ist in dieser Community anders, wir feiern die Wege und die Misserfolge, aber natürlich auch die Erfolge. Wir lernen voneinander mit unterschiedlichen Formaten, Medien und Sozialformen. Dabei ist der Austausch ein wesentlicher Bestandteil.
Das Barcamp ist deswegen ein passendes Format, weil es dem Geiste der Community entspricht. Wir kommen zusammen und haben keine Agenda, es werden keine Inputs vorweg geplant. Es werden auch keine Keynotes im Sinne eines Hochglanz-Formates präsentiert, die aufzeigen, wer was als Erfolgsgeschichte gut umgesetzt hat. Alle Teilgebenden lernen auf Augenhöhe, denn jede Person bringt die eigene Expertise und Perspektive ein. Echtes Lernen mit- und voneinander steht im Vordergrund dieses Events. Es werden Geschichten erzählt, Fragen aufgeworfen und Probleme miteinander besprochen, die uns im Arbeitsalltag beschäftigen. Die Struktur bietet der Sessionplan, bei dem die vorab gepitchten Sessions angekündigt und auch dokumentiert werden.

In 45-minütigen Abschnitten werden Fragen, Probleme, Trends, Herausforderungen und Lösungen präsentiert, diskutiert, bearbeitet und diskutiert. Dabei werden alle Teilgebenden zu Lehrenden und Lernenden zugleich. Bislang haben wir immer an 1,5 Tagen miteinander gelernt, denn abends kommt es auch intensiv zum Netzwerken und zum Austausch. Somit schaffen wir in der Community auch eine vertrauensvolle und ehrliche Basis, denn nur in einem solchen Umfeld kann auch gut gelernt werden. Barrieren, Hemmungen und Hürden werden so abgebaut, das eigene Scheitern oder auch die eigenen Schwächen und Probleme können besprochen werden. Ein solches Lernformat hebt sich von anderen formalen Lernformaten deutlich ab. Es gibt keine standardisierten Zertifikate oder Leistungsnachweise, mit denen das Lernen bestätigt wird. Die Bestätigung erarbeitet man sich selbst, und der Lernerfolg ist nachhaltiger, da man viele Impulse bekommt. Es ist wie ein großer Think Tank des Corporate Learning.
Genese des Barcamps
Entstanden sind die Barcamps 2011 in Darmstadt. Durch Corona musste 2020 das für Hamburg geplante Barcamp über Nacht in ein Online-Format gebracht werden. Mehr als 300 Personen konnten sich hier in Videokonferenzsystemen austauschen und ebenfalls lernen. Das zeigt die Wandlungsfähigkeit und auch die Technikaffinität der Communitymitglieder. Dennoch fehlte der persönliche Austausch. Als dann die Versammlungsregeln gelockert wurden, konnten wir auch auf\ hybride Settings gehen. Wir haben dann mit der SAP in Walldorf und in Hamburg zwei Präsenzorte gehabt, an denen jeweils ca. 50-80 Personen zusammenkamen, die dann online verbunden wurden. Und nicht nur das, weitere 100 Personen wurden ebenfalls rein online dazugeschaltet und das erste hybride Barcamp wurde erfolgreich umgesetzt. Dieser Medienmix, der hybride Aufbau, die Kreativität und die Wandlungsfähigkeit ist bis heute eine große Stärke der Community. Denn auch bei der Planung und bei der Organisation des Barcamps wird komplett auf Freiwilligkeit gesetzt.
Wir sind gespannt, wie sich das Format weiterentwickelt und was die Zukunft so bringt. Aber eins wird gewiss dabei sein: Der Spaß, die Freude und das Engagement der Community!
