Tik Tok trifft Tageszeitung – Generationen im Dialog
Tik Tok trifft Tageszeitung -- Generationen im Dialog
Autorin: Manuela Klaue
Erfahrungsbericht vom CLC Barcamp #CLC25 zur Session „TikTok trifft Tageszeitung"
In modernen Unternehmen treffen zunehmend unterschiedliche Generationen aufeinander. Wenn Generation X auf Generation Z trifft, prallen nicht nur unterschiedliche Ansichten über Work-Life-Balance, Karrierewege und Führungsstile zusammen: Doch trotz unterschiedlicher Meinungen entsteht auch enormes Potenzial für neues, gemeinsames Lernen. Während die eine mit digitalen Technologien aufgewachsen ist, bringt die andere langjährige Berufserfahrung und gewachsene Strukturen mit. Genau diese Begegnung wurde in der Session „TikTok trifft Tageszeitung" beim Barcamp
CLC25 in Hamburg sichtbar. Dort wurde die zentrale Frage diskutiert:
Wie lernt die Generation TikTok?
Besonders spannend war, dass Studierende der Beruflichen Hochschule Hamburg (BHH) an dieser Session teilnahmen. Sie gaben Einblicke in ihre Lerngewohnheiten und Vorstellungen vom Studium. Es entstand eine interessante Diskussion, die nicht nur eine Richtung für Lernformate der Generation Z aufzeigte, sondern auch die Frage aufwarf, wie Fachexperten diese Lernansätze in der Aus- und Weiterbildung berücksichtigen können.
Die Perspektive der Fachexperten
Für Fachexperten ist klar, dass in der Schule bestimmte Wissensbestände und Kompetenzen vermittelt werden, die klar strukturiert, curricular verankert und pädagogisch erprobt sind. Als Fachexperten in der Aus- und Weiterbildung knüpfen wir genau daran an. Aufbauend auf Rahmenlehrplänen oder im Rahmen von Personalentwicklungsmaßnahmen gestalten wir gezielt Learning Journeys für unsere Teilnehmenden oder Mitarbeiter. Trotz klassischer Methoden wird eins dabei immer deutlicher: Wir müssen bereit sein, neue Wege des Lernens zu ermöglichen.
Denn wir wissen auch, dass klassische Inhalte heute anders konsumiert werden, die kürzer, pointierter, mobiler sind. Social Media ist längst nicht mehr nur Freizeitbeschäftigung, sondern ein fester Bestandteil unseres Alltags und beeinflusst maßgeblich, wie Menschen Informationen aufnehmen und verarbeiten.
Und genau hier beginnt das Unbekannte. Denn über die Inhalte und Formate, die außerhalb des Rahmens des schulischen Systems, Ausbildungen oder Aufstiegsfortbildungen erworben werden, wissen wir bisher eigentlich wenig. Meistens geschieht das informell, beiläufig und oft durch digitale Medien. Umso dringlicher stellt sich die Frage: Wie können wir den Sog, den Flow von Social Media, sinnvoll für die Aus- und Weiterbildung nutzen?
Gerade hier sind Offenheit, Experimentierfreude und der Mut zu neuen Lernformaten gefragt und die Erkenntnis, dass Lernen von morgen längst nicht mehr nur im Klassenzimmer stattfindet.
Die Lernkultur der Generation Z - Aus der Sicht der Studenten
Für die Generation Z ist Social Media längst gelebter Alltag. Neben aktuellen Influencertrends werden dort auch Nachrichten und Wissensinhalte rezipiert, die bevorzugt auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube abgespielt werden. In einer Diskussionsrunde mit Studierenden wurde deutlich: Wer nicht in diesem digitalen Kosmos unterwegs ist, bekommt viele Informationen schlichtweg nicht mit.
In der Barcamprunde stellte sich rasch die Frage: Wie konsumieren junge Menschen heute Lerninhalte?
Die Antwort der Studierenden fiel eindeutig aus: Sie wollen sich vom passiven „Konsumlernen" verabschieden und stattdessen aktiv, selbstwirksam und gestaltend lernen. Dabei ist ihnen die Begleitung durch eine/n Lernbegleiter/in besonders wichtig, der sie persönlich anspricht und während des Lernens eine kontinuierliche Rückmeldung gibt. Im Mittelpunkt des Lernens für junge Menschen steht auch ein hoher Grad an Praxisnähe und Gestaltungsspielraum. Lernen soll nicht nur funktional sein, sondern auch Anerkennung und Motivation stiften. Elemente wie Gamification, etwa durch Badges, Challenges oder interaktive Zwischentests, werden als attraktiv und lernförderlich empfunden. Reize und kleine Belohnungen helfen, dranzubleiben. Die Form der Vermittlung spielt dabei eine entscheidende Rolle: Inhalte müssen kurz,\ prägnant und aufmerksamkeitsstark sein. Idealerweise sollen Lerninhalte unter einer Minute stattfinden und dabei die wichtigsten Fakten liefern. Dabei gilt: Ein gutes Lernvideo macht nicht nur klüger, sondern auch neugierig auf mehr. Hierbei wird klar, dass sich dieses kurze Format, als „snackable Wissenshäppchen", längst durch YouTube, TikTok & Co. etabliert hat. Doch die Herausforderung bleibt: Wenn ein Inhalt die Lernenden emotional oder inhaltlich nicht abholt, wird er einfach weggewischt.
Das führt zur nächsten wichtigen Frage in diesem Kontext: Wie lässt sich mit Themen umgehen, die zwar komplex, aber für den beruflichen Alltag unverzichtbar sind?
Die Studierenden waren sich einig: Auch solche Inhalte können spannend aufbereitet werden, wenn sie aus kleinen, prägnanten Wissensnuggets, dem Einsatz von VR-Technologien oder der Verknüpfung mit realitätsnahen Anwendungsszenarien bestehen. Besonders hilfreich sei es zudem, verschiedene Themen miteinander zu verbinden, um lösungsorientiertes Denken zu fördern. Der Austausch in Peer Groups unterstütze diesen Prozess zusätzlich und mache Lernen zu einem sozialen und motivierenden Erlebnis. Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass insbesondere in beruflichen Aus- und Aufstiegsweiterbildungen nicht alles in Häppchen vermittelt werden kann. Auszubildende und Weiterbildungsstudierende müssen sich schließlich komplexen Prüfungsanforderungen stellen. Doch wie sollten Prüfungen künftig gestaltet sein?
Aus Sicht der Studierenden sind viele Prüfungen aktuell zu wenig praxisorientiert und in einem starren Korsett festgehalten. Anstelle einer großen Abschlussprüfung wären daher regelmäßige Zwischenprüfungen oder kurze Tests sinnvoll, die stärker an der Realität ausgerichtet sind und den Lernfortschritt kontinuierlich abbilden. Hierbei bleibt zu klären, wie Lern- und Prüfungsformate künftig gestaltet werden können, damit sie nicht nur Wissen überprüfen, sondern zugleich berufliche Handlungskompetenzen fördern.
Wie wird KI zur Unterstützung zum Lernen genutzt? Und wie steht es ums Lesen?
Künstliche Intelligenz findet immer mehr Einsatzmöglichkeiten im Lernprozess. Ein zentrales Beispiel ist die gezielte Filterung von Inhalten: Fachliteratur muss nicht mehr in ihrer gesamten Länge gelesen werden, da sich die Studierenden von der KI die wichtigsten Kernaussagen\ extrahieren und zusammenfassen lassen. Auf diese Weise stehen relevante Informationen schneller zur Verfügung, und die gewonnene Zeit kann anderweitig für das Lernen genutzt werden.
Oft entscheiden die Studierenden anhand solcher Zusammenfassungen, ob sich eine vertiefende Lektüre lohnt. Ist die Zusammenfassung spannend und die Inhalte aus dem Text klingen interessant, greifen sie durchaus zum vollständigen Kapitel. Der Vorteil liegt darin, dass sich die Lernenden nicht nur auf ein einzelnes Buch beschränken müssen, sondern Inhalte parallel über verschiedene Kanäle und Formate konsumieren können. Diese reichen von klassischen Texten bis hin zu multimedialen Angeboten. Hier schließen sich die Kreise zu kurzen, aufmerksamkeitsstarken Formaten wie Reels auf TikTok oder Instagram sowie Shorts auf YouTube.
Dennoch bleibt die Frage offen: Wie steht es heute eigentlich um das Lesen? Allgemein wurde festgestellt, dass das Niveau der Lesekompetenz gesunken ist. Viele Studierende vertreten die Auffassung, dass ein Studium auch ohne vertieftes Lesen möglich sei, da Informationen heutzutage jederzeit und überall verfügbar sind. Für die junge Generation ist es entscheidend, schnell auf den Kern einer Sache zu kommen. Lange Einleitungen oder historische Hinführungen wirken eher ermüdend und lenken vom Wesentlichen ab.
Ausblick
Die Session zeigte eindrucksvoll, dass wir uns den neuen Lerngewohnheiten anpassen müssen. Zukünftige Lernformate werden stärker von Personalisierung, Praxisnähe und digitalen Medien geprägt sein. Dabei kann KI individuelle Lernpfade gestalten und Lernende gezielt mit relevanten Inhalten versorgen. Kurze, aufmerksamkeitsstarke Formate wie Microlearning, Reels oder Shorts, ergänzen dabei klassische Lernwege, ohne den notwendigen Tiefgang zu ersetzen. Parallel gewinnen immersive Technologien wie AR und VR an Bedeutung, um komplexe Inhalte realitätsnah erlebbar zu machen. Dennoch bleibt das soziale Lernen in Peer Groups ein wichtiger Bestandteil des Lernens, das durch Austausch und gemeinsame Projekte Motivation und Handlungskompetenz stärkt. Prüfungen könnten sich künftig von starren Abschlussformaten hin zu kontinuierlichen, praxisorientierten Assessments entwickeln. Die große Herausforderung lautet daher: Lernformate so zu gestalten, dass sie die schnelle Aufnahme digitaler Impulse mit dem nachhaltigen Erwerb beruflicher Kompetenzen verbinden.
