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Hallo Welt

Hallo Welt!

Autorin: Sylvia Lipkowski

Die #CLCDoOO-Initiative will Learning Professionals ermutigen, sich einen eigenen Bereich im Internet einzurichten. Wie sie mich überzeugt hat.

Den Titel ließ ich einfach so stehen über meinem allerersten Beitrag in meinem eigenen Blog. Hat WordPress doch schön vorformuliert: „Hallo Welt!" Hier bin ich. Du kannst gern reinschauen, aber du kannst es auch lassen. Wie du magst.

Viel wichtiger ist, dass ich hier bin, einfach so. Ich kann Informationen teilen, mir Fragen stellen, Gedanken sortieren oder mich poetisch versuchen. Ich kann unperfekt sein, diszipliniert oder nachlässig. Ich kann leise sein oder laut werden. Alles ist okay. Denn das hier ist meine kleine Nische im großen Netz. Und darüber, dass ich sie habe, staune ich bisweilen immer noch.

Die Idee: Ein eigenes Grundstück statt Miethaie

Angefangen hat dieser Weg in meine Nische mit der schönen Metapher des eigenen Gartens im Dschungel des Internets. Ich habe sie vor einigen Jahren zum ersten Mal von Karlheinz Pape gehört -- möglicherweise in seinem Blogpost vom April 2021 . Dort erläutert er, warum alle Learning Professionals eine „Domain of One's Own" anlegen sollten, sich also ein eigenes kleines Grundstück im wilden, weiten Web sichern sollten, auf dem sie ihr Wissen in Eigenregie anbauen und kultivieren können.

Die Alternative, sich mit Hab und Gut auf einer sozialen Plattform (z. B. bei Xing, Facebook oder LinkedIn) einzumieten, wirkte nämlich damals schon zunehmend ungemütlich: wie ein winziges Zimmer im überfüllten Wohnheim. Zwar wird alles, was man braucht, gestellt, der Einzug ist einfach, und die Mitbewohner*innen sind lustig. Doch wenn die Stimmung kippt, gibt es keine Rückzugsmöglichkeit, und wenn der Vermieter kündigt, steht man auf der Straße.

Die Initiative: #CLCDoOO macht den Weg frei

Karlheinz schrieb seinen Text, bevor Elon Musk Twitter übernahm, und lange vor dem finalen Niedergang des einstigen Lieblingstools der CLC (meins war's definitiv!). Doch schon damals ließ sich ahnen, was es bedeuten würde, sich und die eigenen Inhalte dem Schicksal und Goodwill eines launigen Großgrundbesitzers auszuliefern. Alle hatten inzwischen gelernt, dass eine Plattform schnell ihre Geschäftsbedingungen ändern oder sich sogar in Luft auflösen konnte -- und damit auch die eigenen erarbeiteten Erfolge.

Auch deshalb hat der Impuls von Karlheinz damals viele in der CLC angesprochen. Es fanden sich schnell Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Erfahrungen und Skills in der #CLCDoOO-Initiative zusammen. Ihr Ziel: Sie wollen mit vereinten Kräften die Hürden abbauen, die Corporate Learning Professionals davon abhalten, sich eine eigene Seite im Internet zu bauen. Dafür recherchierten sie, verglichen Provider, schrieben Anleitungen und ermutigten mit Texten, Videos und Podcasts.

Die Hürden: Grundbesitzerin -- ich?!

Das alles war frei verfügbar und leicht zugänglich wie alles in der CLC. Trotzdem zögerte ich lange, selbst Grundbesitzerin zu werden. Es klang so groß und mühsam. Und vor allem klang es anmaßend. Denn gab es nicht schon weit mehr als genug Content-Generatoren? Menschen, die die Öffentlichkeit mit ihren Meinungen versorgten und unüberprüfte Informationen veröffentlichten? Jeder weitere Blog -- oder zumindest meiner -- war da definitiv überflüssig. Wer sollte das schon lesen?!

Zum Glück hörte ich Karlheinz und anderen aus der CLC -- Danke hier besonders auch an Johannes Starke, Anke Schiffer und Alfred Zedelmaier ! -- weiter zu. Sie erklärten mir und der Community, dass wir uns beim Lernen schon immer Notizen gemacht, Fotos aufgenommen, Learnings von Kongressen festgehalten oder eigene Ideen sortiert haben. Nur eben auf losen Blättern oder in hübschen Kladden. Das digital zu machen, heißt nicht, dass man ein großes Publikum sucht. Es wird nur leichter, das eigene Lernen mit anderen zu teilen. Und dieses Teilen zur Gewohnheit zu machen, ist schließlich ein Kernanliegen der Corporate Learning Community.

So verschob sich schließlich meine Perspektive und ich verstand: Es geht nicht darum, wer mitliest, sondern darum, wer schreibt. Es geht um die Pflege des eigenen Wissens und das persönliche Festhalten von Erkenntnissen und Erlebnissen. Wie es im Garten darum geht, eigene Zucchinis zu züchten und Blumen nach eigenem Geschmack zu kombinieren. Da ist es egal, ob jemand stehen bleibt und sie bewundert. Es geht um das Gärtnern selbst: das Auswählen, das Pflanzen, das Pflegen und Ernten. Und das Sich-Freuen, wenn alles schön wächst, und ja, auch das Verschenken der eigenen Erträge (z. B. wenn alle Zucchinis gleichzeitig reif sind).

Der Hackathon: Gemeinsam über die letzte Hürde

Blieb also nur noch die große Angst vor dem Aufwand. Nachdem ich mir selbst endlich erlaubt hatte, einen Platz im Internet für mich zu beanspruchen, musste ich das noch technisch hinkriegen. Und dann -- was für ein Timing -- startete im Dezember 2022 die #CLCDoOO den ersten (und bisher einzigen) Hackathon zum Thema und ich wusste: Das ist es!

Am Samstag vorm vierten Advent fand ich mich wieder in einer kleinen, coolen Truppe mit Menschen aus Learning & Development, Organisationsberatung und Coaching. Alle hatten sehr unterschiedliche Vorbildung, manche sogar schon Seiten, die sie nicht mehr (oder noch nicht) mochten. Aber alle hatten das gleiche Ziel: Endlich die (neue) Internetseite aufsetzen! Und genau das taten wir dann innerhalb von 4 Stunden in einer sehr geselligen Teams-Session.

Wir werkelten, wie es sich für einen Hackathon gehört, gemeinsam los -- jede und jeder parallel am eigenen Projekt. Dabei hatten wir einen mutigen Mentor, der uns geduldig zur Seite stand: den WordPress- und Datenschutz-Experten Stefan Kremer. Mit seiner Unterstützung reservierten wir unsere Domain-Namen und suchten nach einem Ort, wo unsere Domain wohnen kann. Wir schlossen (falls nötig) einen Hosting-Vertrag und kauften so das Grundstück (den Webspace). Dort richteten wir FTP-Server ein, legten Heimatverzeichnisse an und lernten FileZilla kennen. Und schließlich installierten wir Wordpress und veröffentlichten unsere ersten Worte: Hallo Welt!

Da war sie, meine neue virtuelle Heimat. Noch war sie nicht schön eingerichtet und zu wenig abgesichert (dem Thema Datenschutz, Cookies, Impressum und Themes stellten wir uns im zweiten Teil des Hackathons drei Wochen später). Aber offen und einladend, stabil, gemütlich und voller Möglichkeiten -- und ich wusste, wie ich sie mit den eigenen Bordmitteln ausbauen kann. Es fühlte sich tatsächlich ein bisschen an, als hätte ich ein eigenes Haus gebaut. Oder zumindest eine ansehnliche Gartenhütte. Ich musste nur noch einziehen.

Das Ergebnis: Mein persönlicher Lerngarten

Inzwischen habe ich mich in meiner Hütte im neuen Garten hervorragend eingerichtet. Viel Besuch hatte ich bisher noch nicht, außer russischen Spammern. Aber das ist okay, denn ich habe mich auch noch nicht getraut, viele einzuladen.

Trotzdem hatte ich schon viele Erfolgserlebnisse. In meinem Webspace wachsen Wissen, Ideen und Erfahrungen wie früher in Skripten oder Tagebüchern. Die Fotos dazu machen Spaß. Und über zwei Kommentare habe ich mich auch schon gefreut. Denn zweimal habe ich es schon vorsichtig gemacht: Ich habe mein Lernen öffentlich gemacht und mutig einen Post auf LinkedIn geteilt!

Doch auch ohne das aktive Teilen hat der eigene Blog einen großen Vorteil gegenüber analogen Notizen: Im semi-öffentlichen Raum, den eine Domain ohne Suchmaschinenoptimierung darstellt, gebe ich mir immer noch sehr viel mehr Mühe beim Schreiben als in meinem alten Notizbuch. Weil -- zumindest theoretisch -- mir immer jemand über die Schulter schauen könnte, will ich richtig verstanden werden und mich nicht unnötig blamieren. Also wird sorgfältig recherchiert, leserlich formuliert, viel über das passende Bild nachgedacht und am Ende sogar Korrektur gelesen. So wird das Schreiben für mich dann nicht nur zum privaten Lernprozess, es wird auch zu einer Demonstration meiner Haltung des lebenslangen Lernens. Und ob die Welt diese Haltung sieht oder gut findet, ist mir immer noch egal. Ich freue mich, dass ich sie für mich ein bisschen professionalisiert habe.

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