Mitorganisation des Praxis-Barcamps in Berlin
Mitorganisation des Praxis-Barcamps in Berlin
Autorin: Anati Olzinger
Wie ich zur Corporate Learning Community kam
Bereits 2018/2019 begann ich, mich wieder mehr mit dem Thema Lernen, u. a. mit digitalem Lernen, zu beschäftigen. Ich hatte gerade intern nach über acht Jahren Projektleitung nach einer neuen Herausforderung gesucht, um die vielen Geschäftsreisen, die ich durch meine vertriebsunterstützende Tätigkeit als Projektleiterin hatte, zu reduzieren. Als Trainerin kam ich schnell auf die Idee, virtuelle Workshops bzw. Trainings bei meinem Arbeitgeber anzubieten. Meine damalige Chefin machte mich auf eine Veranstaltung in Frankfurt aufmerksam, zu der ich im Rahmen meiner Tätigkeit fahren durfte. Dort hielt unter anderem Karlheinz Pape einen Vortrag, dessen Inhalt ich nie vergessen werde. Er verglich Lernende mit dem Einkauf im Supermarkt. Jeder von uns weiß, wenn er ein bestimmtes Gericht kochen möchte, welche Zutaten er in welchem Umfang benötigt. Genauso sollte man das Lernen betrachten. Die Lernenden wissen am besten, was ihnen fehlt, und können so aus dem Angebot auswählen. Für mich war das ein echter Aha-Moment.
Ich schloss mich also der Corporate Learning Community an, unter anderem, weil ich von der Schwarmintelligenz in einer solchen Community überzeugt bin. Aber erst Jahre später sollte ich mich dann auch mehr aktiv einsetzen. Über LinkedIn sah ich den Aufruf, dass es ein Praxis-Barcamp in Berlin (2023) geben sollte und dass noch Menschen für die Organisation gesucht wurden. Das war mein Moment, zu sagen: „Ja, ich gebe der Community etwas zurück und bringe mich aktiv ein." Gesagt, getan.
Die Mitorganisation eines Praxis-Barcamps
Am Ende ging alles schnell. Nachdem ich mich beim Orgateam gemeldet hatte, wurde im ersten Online-Orgateamtreffen schnell klar, dass ich eine der wenigen im Team war, die vor Ort in Berlin saß. Somit kamen mir und einer weiteren Person aus dem Orgateam zunächst die Aufgabe zu, die Location -- der Campus der HTW in Schöneweide -- zu begehen und erste Fotos, u. a. auch für Werbung, zu machen. Das war eine einfache Übung, und meine Orgateamkollegin und ich hatten dabei viel Spaß.
Ein weiterer wichtiger Punkt war, für das leibliche Wohl der Teilnehmer an den beiden Tagen zu sorgen. Dazu machte ich einen Termin mit dem Mensachef der HTW und besprach mit ihm die Details. Unser Barcamp nahm langsam Gestalt an. Dann ging es wie bei allen Events darum, Werbung zu machen und Teilnehmer zu gewinnen. Unter dem Motto „Machen ist wie wollen -- nur krasser!" sollte dieses Barcamp anders sein als andere. Die Idee war, dass nicht die Experten bzw. Expertinnen eine Session anbieten, sondern dass die Sessiongeber und -geberinnen ein Thema bzw. eine Fragestellung einbringen, die dann mit den Sessionteilnehmern und -teilnehmerinnen ausprobiert oder erarbeitet werden sollte. Das fand ich am spannendsten, denn es war durchaus experimentell.
Und weil das Motto ja auch Programm ist, entschied ich mich, selbst zwei Sessions anzubieten. Eine davon war eine Improvisationstheatersession, zu der mich eine meiner Mitorganisatorinnen motiviert hatte. Obwohl ich das natürlich kann und darin einen gewissen Zwiespalt zum Motto sah, entschied ich mich, die Session anzubieten, aber nichts vorzubereiten, sondern auf die Wünsche der Teilnehmer einzugehen. Es war eine schöne und auch für mich inspirierende Session. Den ganzen Rest des Tages begrüßten wir uns noch mit unseren Gesten (Anmerkung: In der Session gab es eine Übung, bei der jeder seinen Namen mit einer Geste sagte, die die Gruppe dann wiederholte, sodass sich der Name und die Geste einprägten).
Die zweite Session habe ich mit einem neuen Netzwerkkontakt von mir angeboten. Sie hat sich direkt angemeldet, als ich ihr vom Barcamp berichtet habe. Wir gaben eine Session zum Speednetworking mit Elementen des Improvisationstheaters. So sollte sich jeder ein „Lerntier" überlegen und sich dann in schnellen 2er-Runden den anderen Teilnehmern vorstellen. Auch das war inspirierend und hat allen viel Spaß gemacht. Daneben gab es noch viele andere großartige Sessions, beispielsweise zu Liberating Structures, einem neu entwickelten Spiel, Zeichnen, Canvas und vielen weiteren tollen Themen.
Und wie es immer so ist: Man arbeitet und fiebert lange auf ein Ziel hin, und schwups, ist es schon wieder vorbei.
Für mich war es eine sehr gute Erfahrung, ein komplettes Barcamp mitzuorganisieren. Wir waren ein wirklich mega Orgateam, mit dem es sehr viel Spaß gemacht hat!
Das Feedback der Teilnehmenden war auch durchweg positiv. Als Orgateam haben wir zum Schluss festgestellt, dass es für uns alle als Experten und Expertinnen in unseren Themen nicht immer einfach ist, keinen guten Input geben zu wollen. Was aber sehr gut funktioniert hat, war, dass die praktische Anwendung durchweg im Vordergrund stand und es keine reinen Vortragssessions waren. Ich würde jederzeit gerne wieder ein Praxis-Barcamp mitorganisieren und gestalten. Alles, was ich in den zwei Tagen lernen durfte, war sehr wertvoll und wird mir in Erinnerung bleiben. Danke für diese Chance und das offene und wertschätzende Miteinander in der Corporate Learning Community.
