Future Skills - Eine Lernreise zwischen Hype und Haltung
Future Skills: Eine Lernreise zwischen Hype und Haltung
Autor:innen: Anja C. Wagner, Joachim Niemeier
Wie wir uns wirklich auf die KI-Ära vorbereiten

Was unterscheidet erfolgreiche Unternehmen von jenen, die im digitalen Zeitalter zurückfallen? Es sind nicht nur innovative Produkte oder moderne Technologien, sondern vor allem die Fähigkeit, sich kontinuierlich neue Kompetenzen anzueignen -- die sogenannten Future Skills. „Future Skills" hat sich entsprechend zum Schlagwort entwickelt. Es klingt nach Fortschritt und Sicherheit. Doch was steckt dahinter? Sind es die Schlüsselkompetenzen von morgen oder nur eine glänzende Fassade? Wie wollen wir in Zukunft arbeiten, führen, lernen?
Seit 2024 organisieren wir, Anja und Joachim, eine „Future Skills"-Talkreihe der CLC. Wir untersuchen, welche Kompetenzen Bildungseinrichtungen und Unternehmen zukunftsfähig machen. Gerade jetzt, da sich die Arbeitswelt stark verändert, ist es wichtig, die Tiefe dieses Themas zu ergründen. Die Talkreihe soll Corporate Learning Professionals praxisnahe Lernstrategien bieten -- modern, pragmatisch und entspannt.
Für die Talkreihe haben wir das Lunch&Learn-Format gewählt. Es fördert informellen Wissensaustausch und ist kurz und direkt. Wissen fließt schnell und unkompliziert, ob von internen oder externen Expert*innen. Das Ergebnis? Ein kollektiver Wissensraum, der unsere Learning Community stärkt. So können wir vielfältige Themen kritisch beleuchten und Antworten suchen, die über das Offensichtliche hinausgehen.
Der Mythos von den vier Säulen: Wissen, Persönlichkeit, Soziales, Methoden -- Reicht das wirklich?
In unserer Auftakt-Session skizzierte Anja die vier fundamentalen Säulen der Future Skills: Wissen, Persönlichkeitsstruktur, soziale Fertigkeiten und methodische Kompetenzen. Diese Einteilung soll Orientierung bieten. Doch unsere Lernreise zeigte schnell: Die Landkarte mag klar sein, der Weg ist steinig und voller Fallstricke. Reden wir nur über diese Säulen, oder bauen wir sie auch konsequent auf?
Deutschland hinkt bei der Weiterbildungsbereitschaft im europäischen Vergleich hinterher. Es mangelt an gesellschaftlicher Ambition, und kulturelle Barrieren wie „Arroganz gegenüber neuen Technologien" bremsen uns aus. Kompetenzmodelle veralten schnell, und Persönlichkeitsentwicklung lässt sich schwer in formalen Bildungsräumen verankern. Wenn Menschen sich nicht aktiv weiterbilden, droht ihnen die Abkopplung vom Arbeitsmarkt und der gesellschaftlichen Entwicklung. Sind wir bereit, diese unbequemen Wahrheiten anzuerkennen?
KI als Heilsbringerin oder trügerische Dialogpartnerin?
Künstliche Intelligenz treibt viele Veränderungen voran. Sie soll unser Lernen „schneller, tiefer und individueller" machen. Werner Sauter und Daniel Stoller-Schai stellten den „Dreiklang des Lernens" vor: Lernen mit sich selbst, mit KI und mit anderen. Die KI wird zur „neuen Lernpartnerin". Doch unsere Diskussionen im CLC Lunch&Learn zeigten auch kritische Zwischentöne. Eine Teilnehmerin fragte: „KI kann auf Spracheingaben reagieren -- aber ist das ein Dialog im humanistischen Sinne?"
Wir müssen die Gefahr der Vermenschlichung ernst nehmen: Die KI mag Antworten liefern, aber sie denkt nicht empathisch oder aus eigener Motivation. Wird der kritische Geist nicht abtrainiert, wenn wir der KI die „Denkarbeit" überlassen? Die Befürchtung, dass KI zu einer „didaktischen Bevormundung" führen könnte, wurde deutlich geäußert. Im AI-Lab der CLC haben wir im Winter 2024/25 experimentiert, wie KI als Kooperationspartnerin genutzt werden kann.
Doch selbst hier bleibt die Herausforderung der Quellentransparenz und des richtigen „Systemprompts" bestehen. Es geht nicht darum, ob KI eingesetzt wird, sondern wie -- und ob sie uns zum Denken anregt oder davon entlastet.
Studienergebnisse, die den Horizont erweitern
Die Vorstellung von Studienergebnissen im Rahmen des CLC Lunch&Learn ist kein trockener Befund -- sie sind Treibstoff für unsere Lernreise. Sie zeigen neue Wege, öffnen Perspektiven und geben den Impuls, mutig weiterzudenken. Martin Lindner stellte die Ergebnisse der Studie „Future Skills für eine von KI beeinflusste Lebens- und Arbeitswelt" vor.
Die Studie verdeutlicht: Im KI-Zeitalter sind ausgewogene Kompetenzen in sozialen, technischen und individuellen Bereichen entscheidend. Besonders relevant ist der Ausbau von Souveränität und Zusammenarbeit im Umgang mit KI.
Thomas Tillmann stellte die Ergebnisse einer Studie zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bereich Learning & Development (L&D) vor. KI im L&D-Bereich birgt enorme Chancen, stellt aber auch Herausforderungen dar. Es geht nicht nur um Effizienz, sondern um ein grundlegendes Umdenken in Lernprozessen und die Gestaltung zukunftsfähiger Lernwelten. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit KI-Skills wie Prompt Engineering macht fit für die Zukunft.
Die Studie „Weiterbildung 2024" beleuchtete den gegenwärtigen Trend, dass KI Treiber für individualisierte und effiziente Weiterbildungsformate ist. Katherina Peet und Johanna Voigt machten deutlich, dass sich die Weiterbildungslandschaft im Wandel befindet: KI eröffnet neue Möglichkeiten, Lernen zu personalisieren und effizienter zu gestalten.\ Der persönliche Austausch bleibt jedoch weiterhin von zentraler Bedeutung. Ohne Kultur, ohne Austausch bleibt Technik leer. Der Einsatz von KI allein reicht also nicht aus -- für eine echte Wirkung braucht es eine starke, positive Lernkultur in den Unternehmen.
Regulierungswut und Innovationsdruck: Die Gratwanderung des EU AI Acts
Mit der Verabschiedung des EU-AI-Acts, dem weltweit ersten Gesetz zur Regulierung von KI, kommen neue Anforderungen auf Unternehmen und Bildungseinrichtungen zu. Christian Stracke betonte im CLC Lunch&Learn den enormen Zeitdruck: „Wir haben nur noch etwa 5-6 Jahre bis 2030, um grundlegende Entscheidungen zu treffen, wie wir KI einsetzen und was wir verbieten wollen". Ellen Braun und Steffen Hillebrecht präsentierten ein differenziertes Kompetenzstufenmodell, das Unternehmen dabei helfen soll, ihre Mitarbeitenden sicher und verantwortungsvoll im Umgang mit KI zu qualifizieren. Dies stärkt die Lernkultur und baut zukunftsrelevante Kompetenzen auf. Doch auch hier lauert die Provokation: Droht mit dem EU AI Act eine „bürokratische Belastung" und eine „Überforderung durch Regulierung", die Innovation ausbremst? Wir benötigen iterative Vorgehensweisen und die Einbindung aller relevanten Akteure, um Akzeptanz zu schaffen und rechtliche Sicherheit zu gewährleisten.
Mensch bleiben im KI-Zeitalter: Der wahre „Future Skill"?
Vielleicht ist der eigentliche „Future Skill" nicht nur der Umgang mit KI, sondern die Fähigkeit, in einer zunehmend technologisierten Welt Mensch zu bleiben. Hartmut Wilke beleuchtete dies aus einer anthropologischen Perspektive: Unsere Anpassungsfähigkeit basiert auf Verhaltensdiversität und Werkzeugentwicklung. Das Dilemma ist die Entkopplung von biologischer und technologischer Evolution -- unsere Biologie kommt nicht nach. Wie begegnen wir Desinformation, Algorithmen und Datenflut? Es geht um Achtsamkeit, Distanzierungsfähigkeit und die Förderung von Medienkompetenz und kritischem Denken.
Das bedeutet für Corporate Learning die Integration von Achtsamkeitspraktiken, die Förderung von Diversität und den Aufbau digitaler und nicht-digitaler Schlüsselqualifikationen. Innovatives Handwerk, wie von Christoph Krause vorgestellt, zeigt uns, wie Tradition und Spitzentechnologie zusammengehen können, um Fachkräftemangel zu begegnen und Prozesse zu optimieren. Selbst hier, wo man es vielleicht am wenigsten erwartet, sind Handwerker*innen offen für KI, wenn sie ihr Kerngeschäft unterstützt. Es geht darum, Meisterwissen in KI-Systeme zu überführen und gleichzeitig die Datenhoheit zu sichern.
Von der Vision zur Realität: Die Zukunft ist in unseren Händen
Lena Tünkers hat deutlich gemacht, dass Zukunft nicht von allein, sondern durch aktives Handeln entsteht. Visionen brauchen Umsetzung -- und die Verantwortung liegt bei uns allen. Es geht darum, vom Denken ins Machen zu kommen und die Zukunft gemeinsam bewusst zu gestalten. Methoden der Zukünftegestaltung reichen von Trend- und Szenarioanalysen über Backcasting bis zu Experimentierräumen. Sie öffnen den Blick für unterschiedliche Zukünfte, machen mögliche Entwicklungen greifbar und helfen, Handlungsoptionen abzuleiten. So wird Zukunft nicht prognostiziert, sondern bewusst gestaltet.
Holger Gelhausen hat dies mit seinem PDF Learning Generator eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Als „Lernenthusiast" und „KI-Tüftler" hat er aus dem Wunsch nach besseren Lerntools eine Desktop-App entwickelt, die eigene PDFs in einen interaktiven Lernraum verwandelt. Dieses konkrete Projekt ist ein perfektes Beispiel für Zukünftegestaltung und zeigt, wie man mit Kreativität und „Vibe Coding" vom Denken ins Machen kommt. Es veranschaulicht, dass Zukunftsbilder nicht nur erdacht, sondern durch innovative Handlungen umgesetzt werden.
Zukünftegestaltung ist für Future Skills zentral, weil sie den Rahmen schafft, in dem diese Kompetenzen entstehen und relevant werden. Wer Szenarien denkt, Ungewissheit aushält und aktiv Zukunftsbilder entwickelt, trainiert genau die Fähigkeiten, die in dynamischen Arbeitswelten gebraucht werden: kritisches Denken, Agilität, Kreativität, Kollaboration. Kurz: Future Skills sind nicht losgelöst -- sie wachsen im Prozess der aktiven Zukünftegestaltung.
Fazit: Eine offene Lernreise mit unbequemen Fragen
Unsere „Future Skills"-Lernreise hat deutlich gemacht: Die Arbeitswelt verändert sich rasant, und „Future Skills" sind der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit. KI verändert nicht nur das Lernen, sondern auch die Rahmenbedingungen, die Gestaltung der Lernsettings und die persönliche Reflektion. Doch die Diskussion darf nicht beim Hype enden. Wir müssen die unbequemen Fragen stellen: Sind wir wirklich bereit, die nötigen kulturellen Veränderungen herbeizuführen, um das Potenzial von KI voll auszuschöpfen und eine positive Lernkultur zu etablieren, in der selbstorganisiertes Lernen gefördert und Führungskräfte ihre Rolle als Lernbegleiter*innen annehmen?
Das CLC AI-Lab hat gezeigt, dass die Tools da sind, aber der Mut zum Neudenken und der Dialog mit der KI als Erweiterung unserer Lernfähigkeit sind entscheidend. Die Corporate Learning Community ist ein Motor für diesen Wandel. Lasst uns die gewonnenen Erkenntnisse aus der „Future Skills"-Reihe als Sprungbrett nutzen, um nicht nur mit dem Wandel Schritt zu halten, sondern ihn aktiv und kritisch mitzugestalten! Die Zukunft des Lernens ist jetzt -- und sie fordert uns heraus, über den Tellerrand des Bekannten hinauszublicken.
Zehn Kernbotschaften für Corporate Learning Professionals:
Kompetenzentwicklung konsequent operationalisieren
Der Begriff „Future Skills" darf nicht zur bloßen Hülle verkommen. Entscheidend ist, wie Organisationen Lernkultur, Haltung und konkrete Kompetenzentwicklung in der Praxis umsetzen. Gehe über Schlagworte hinaus und verankere „Future Skills" in Lernpfaden, Programmen und der Führungskräfteentwicklung.
Kompetenzmodelle regelmäßig aktualisieren
Wissen, Persönlichkeit, Soziales und Methoden bilden zwar eine Basis, doch Kompetenzmodelle veralten schnell. Persönlichkeitsentwicklung und Lernkultur müssen deshalb konsequent mitgedacht werden. Überprüfe bestehende Modelle auf ihre Relevanz, ergänze neue Dimensionen (z. B. KI-Souveränität) und vermeide starre Kategorien.
Weiterbildungsbereitschaft aktiv fördern
Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland bei der Weiterbildungsbereitschaft hinterher. Kulturelle Barrieren („Technologie-Arroganz") und fehlende Ambition sind ernst zu nehmende Hindernisse. Es gilt, kulturelle Barrieren zu senken, Anreizsysteme zu etablieren und auf niederschwellige Formate zu setzen, die die Lernmotivation stärken.
KI gezielt als Lernpartnerin einsetzen
KI kann Lernprozesse beschleunigen, individueller gestalten und vertiefen, birgt aber die Gefahr der „didaktischen Bevormundung". Ein kritischer Umgang mit KI als Lernpartnerin ist daher zentral. Nutze KI nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Impulsgeberin für Reflexion, beispielsweise durch dialogische Formate und Experimente wie „Flipped Interaction Patterns".
Reflexionsräume schaffen
Die entscheidende Frage ist nicht, ob KI eingesetzt wird, sondern wie. Fördert sie kritisches Denken oder entlastet sie davon? Wichtiger als Tools sind Haltung, Transparenz und Systemprompts. Integriere deshalb Formate, die kritisches Denken stärken, etwa Debatten, Peer Learning und Lernreisen, damit die Nutzung von KI nicht zur Entlastung des Denkens führt.
Lernkultur als Fundament sichern
KI allein reicht nicht aus. Studien zeigen: Ohne gelebte Lernkultur, persönlichen Austausch und Zusammenarbeit bleibt Technologie wirkungslos. Fördere den Austausch zwischen den Mitarbeitenden (z. B. Lunch & Learn, Communities of Practice), um das Lernen mit KI mit kollektiver Erfahrung zu verbinden.
Regulatorische Anforderungen pragmatisch umsetzen
Der EU-AI-Act schafft zwar Rechtssicherheit, birgt aber auch die Gefahr von Bürokratie und Überregulierung. Corporate Learning muss regulatorische Anforderungen praktisch und iterativ in Qualifizierungsprogramme integrieren. Integriere Compliance-Themen iterativ in Lernprogramme, ohne die Innovationsfreude zu blockieren, und entwickle Formate für Betriebsräte und Führungskräfte.
KI-Kompetenzen stufenweise entwickeln
Ein gestuftes Modell erleichtert Unternehmen den verantwortungsvollen Aufbau von KI-Kompetenzen und fördert Lernkulturen. Implementiere ein Lernstufenmodell (Anfänger*innen → Fortgeschrittene → Expert*innen), um deine Mitarbeitenden systematisch zu qualifizieren.
Menschlichkeit bewusst stärken
Zentrale Kompetenzen im KI-Zeitalter sind Achtsamkeit, Medienkompetenz, kritisches Denken und die Fähigkeit, Distanz zu wahren -- kurz: Menschlichkeit als Gegengewicht zur Technologisierung. Fördere Future Skills wie Achtsamkeit, Medienkompetenz und Distanzierungsfähigkeit, um Mitarbeitende im KI-Zeitalter resilient zu machen.
Zukunft aktiv mitgestalten
Die Zukunft ist kein Schicksal, sondern ein Gestaltungsauftrag. Nutze Methoden wie Szenarioarbeit, Futures Wheel, Futures Literacy Lab und Experimentierräume, um Mitarbeitende in die Zukunftsgestaltung einzubinden und ihre Kreativität und Agilität zu fördern. Ziel ist es, Zukunftsbilder zu entwickeln und damit Future Skills praktisch zu verankern.
Die nächsten Lunch&Learn-Termine sind bereits geplant. Kommt einfach vorbei, immer am 4. Donnerstag jeden Monats zwischen 13 und 14 Uhr. Ohne Anmeldung. Den Zugangslink findet ihr über unsere colearn-Website.
Dieser Beitrag wurde unter Ausnutzung diverser KI-Tools (NotebookLM, Gemini 2.5 pro, ChatGPT 5, Wolf-Schneider-KI) geschrieben.
