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LEX – eine wunderbare magenta Corporate Learning Community aus 20.000 Lernenden

LEX - eine wunderbare magenta Corporate Learning Community aus 20.000 Lernenden

Shakil Awan, Manuel Kirailidis

Als Shakil Awan im Sommer 2024 am CLMOOC teilnahm, war er überrascht, wie stark ihn das Thema Peer-Learning erneut faszinierte -- obwohl es schon seit vielen Jahren ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit ist. Sein Beitrag zum CLMOOC24 mit dem Titel „Peer-Learning groß denken" wurde für ihn zugleich zu einer Rückschau: auf die Anfänge von LEX bei der Telekom, die Erfahrungen mit Graswurzelinitiativen sowie auf zahlreiche kleine Erfolge, die zeigen, wie viel möglich ist, wenn Menschen ihr Wissen freiwillig und mit Begeisterung teilen.

Die Corporate Learning Community spielt in diesem Zusammenhang schon lange eine wichtige Rolle für Shakil. Erste Begegnungen bei CLC-Events und Barcamps haben ihm immer wieder Inspiration und Rückenwind für das eigene Tun gegeben. LEX wurde dort nicht nur mehrfach als Best-Practice-Beispiel vorgestellt -- Shakil und sein Team konnten auch selbst wertvolle Impulse zurück in die Community tragen. Diese wechselseitige Verbindung versteht er als gelebtes Beispiel für die Wirksamkeit echter Gemeinschaft.

In folgenden Beitrag möchten Shakil Awan und Manuel Kirailidis daher nicht nur die Entwicklung von LEX nachzeichnen, sondern auch verdeutlichen, wie entscheidend Teilhabe, Offenheit und der Mut zum Ausprobieren für nachhaltiges Lernen in Organisationen sind -- und wie LEX in den vergangenen Jahren dazu beigetragen hat, diese Haltung immer weiter zu stärken.

Und nun zu LEX ...

Teil 1: Es war einmal...

Montag

8:32 „Jetzt gerade eben nochmal schnell die Excelformel anpassen und den Report rausschicken. Dann ist noch genug Zeit für einen Kaffee vor dem nächsten Termin um 9:00\".

8:34 Tippen, Scrollen, Tippen

8:37 Zahlen prüfen, „irgendwas stimmt nicht...\"

8:39 Nervöses, korrigierendes Tippen

8:43 Hoch scrollen, runter scrollen, weitertippen

8:49 Noch mal checken, „WAS? Was heißt hier „#WERT!\"? Warum das denn jetzt?\"

8:51 Wildes hoch scrollen, runter scrollen, noch paar Mal hoch und runter scrollen, „WTF?-Gedanken\", weitertippen

8:53 Schweißperlen auf der Stirn und hilfesuchender Blick in das leere Büro

8:57 Tränen wegwischen und googlen

8:57 Fündig werden

9:00 Teilnahme am Termin abgesagt

9:01 Terminverschiebung durch den Organisator mit deutlichen Worten „auf Wunsch einer Person schieben wir um eine Stunde\"

9:07 3 Videos durchgeklickt: 1) funktioniert nicht, weil andere Excel Version, 2.1) Werbung, Werbung, 2.2) Nichts mit der Beschreibung des Titels zu tun und 3) passt, aber saumäßig schlecht beschrieben

9:08 Letztes Video neugestartet

9:12 Anruf von der Führungskraft (der Dialog erübrigt sich)

So oder so ähnlich haben wir das alle schonmal erlebt. Wo ist der Excel-Nerd, wenn man ihn/sie braucht? Diese eine Person, die es in einem kurzen Satz verständlich erklärt? Zielgerichtet und adressatengerecht. Ohne zu viel Blabla.

Teil 2: Die Idee

Und da war die Idee auch schon geboren. Diese Idee wollte Raum und Möglichkeiten für Menschen innerhalb der Deutschen Telekom bieten, die gerne ihr Wissen teilen möchten und können. Eine Anlaufstelle, wo diese Menschen schnell und problemlos zu finden sind. Eine Tabelle vielleicht? Zugegeben, vielleicht nicht ganz neu, aber der Beginn einer Lösung der anderen Art.

Die Idee fing ganz klein als Graswurzelinitiative an. Ein einfaches Angebot im Intranet der Deutschen Telekom. Ganz ohne Budget oder Personal. Ohne neues Tool oder Managementunterstützung. Freiwillig ohne Zwang. Shakil Awan\'s Grundidee: Alle dürfen ihr Wissen teilen und alle dürfen danach fragen. Alle Menschen sind in etwas ExpertInnen. Alle können irgendetwas besonders gut. Alle sind von irgendetwas besonders begeistert. Und zu Beginn gab es dann tatsächlich nur eine Liste, in der sich jede:r eintragen konnte: Name, Thema, Telefonnummer und/oder Email, fertig. Und es funktionierte, wenn auch sehr mühsam. Es war klar, dass diese Liste nur so gut sein kann, wie die Anzahl der Menschen, die sich eintragen und die Anzahl der Themen, die abgedeckt werden würde. Es war zwar eine Lösung, aber leider keine, die sich selbst befüllen würde. Irgendetwas fehlte. Es fehlte das besondere Etwas, das Alleinstellungsmerkmal, ein richtiges Highlight, das, was den Unterschied machen würde. Shakil verbrachte Stunden damit, sich mit dem Umfeld auszutauschen, um eine Lösung zu finden, leider aber nie mit dem gewünschten und benötigten dauerhaften Effekt. Das Problem, das es zu lösen galt, war, ein Angebot zu schaffen, welches täglich genutzt werden würde, einfach zu bedienen war, idealerweise nichts kostete und auch den Nerv der Zeit traf.

Und dann war sie da, die Idee: In Form von offenen Sessions, in denen Wissen geteilt wird. Wie ging es weiter? Es brauchte einen Strategen und Storyteller, um diese Idee groß zu machen.

Dieser Mensch war Manuel Kirailidis. Er hatte bisher einige erfolgreiche internationale digitale Produkte konzipiert und mit seiner Storytelling-Erfahrung entsprechend positioniert und vermarktet. Sein Ziel: Statt eines simplen Nachschlagewerks ein Produkt zu kreieren, inklusive Logo, Slogan, und damit den Nutzern (und auch sich selbst) das Gefühl zu vermitteln, Teil von etwas Besonderem zu sein. Eine „Kannst-Du-mir-mal-Helfen 2.0\"-Plattform, die sich der existierenden IT-Landschaft des Unternehmens bedient und Suchende mit Anbietenden zusammenbringt. Etwas, was gewollt, besonders, anders und vor allem verständlich ist.

Und gepaart mit dem Wissen einer ganz kleinen und schlagkräftigen Truppe an Freiwilligen, die alle ihr eigenes besonderes Wissen einbrachten, entstand die Lösung wie sie heute existiert: Offene Sessions von ExpertInnen für KollegInnen. Und zwar zu Business und Non-Business Themen. Von Agilität über KI bis hin zu Yoga. Alles so einfach gestaltet, dass es sich von jeder Person problemlos bedienen lässt. Am Beispiel von Manuel: Er bot seine Storytelling Session freiwillig an. Bestimmte dabei Inhalt, Zeitpunkt und Dauer der Session und publizierte dies auf der Plattform. Er hat sie dann auch selbst vermarktet und dabei drei Dinge getan: LEX, seine eigene Expertise und natürlich die eigentliche Session beworben. Die Anzahl der Teilnehmer und das Feedback definierten dann den Bedarf und gaben dabei auch den Hinweis auf die Qualität und darauf, was zukünftig im selben Kontext benötigt werden würde.

Teil 3: Das Resultat

Nach einem verhaltenen Anfang nahm das Ganze seinen Lauf. Im ersten Jahr gab es knapp 400 Sessions (2018) -- letztes Jahr, 2024, waren es schon über 6.500. Das Angebot wächst kontinuierlich, und weitere dazukommende Rubriken vervollständigen das wertvolle informelle Angebot: Chatgruppen, Lerngruppen und ein großes Videoportal. LEX ist heute ein wichtiger Bestandteil der Lernkultur in der Deutschen Telekom. Die informellen Angebote aus LEX sind daher mittlerweile auch über das offizielle Lern-Tool Percipio auffindbar.

Was macht LEX noch besonders: Was uns zusätzlich besonders macht, ist der Gedanke „von uns, für uns!" und das dauerhaft. Damit ist gemeint, dass wir zu Kolleg*innen, die sich in andere Unternehmen weiterentwickelt haben, noch heute eine so stabile Beziehung halten, dass sie nicht nur weiterhin die für Externe offenen LEX-Sessions besuchen, sondern sogar weiterhin eigene Sessions anbieten. Nächster Halt in der Entwicklungsreise: Eine stärkere Vernetzung und Einbindung unserer Kolleg*innen aus den internationalen Standorten, dedizierter Content durch unser Management und neue Videoformate.

LEX (Quelle: Shakil Awan), Auf dem Bild halten zwei Männer ein großes Schild mit vielen Symbolen und kurzen Texten. Oben in der Mitte ist eine große, lachende Glühbirne mit Brille. Auf dem Schild stehen diese Punkte (auf Englisch, mit Bildern dazu): Session List: Termine für offene Lern-Treffen Experts List: Finde passende Expert*innen Exchange: Gruppen zum Austauschen Forum: Stelle deine Fragen HACKS: Tipps und Tricks teilen Videos: Lernen mit Videos Learning Groups: Gemeinsam lernen Books & Bücher: Buchempfehlungen teilen

Fakten zu LEX:

LEX (Learning from Experts) ist heute die größte internationale Community für informelles Peer-to-Peer-Lernen bei der Deutschen Telekom, in der über 20.000 Mitarbeitende freiwillig Wissen austauschen, an offenen Lernsessions teilnehmen und sich gegenseitig zu unterschiedlichsten Themen weiterbilden -- komplett dezentral, von Mitarbeitenden initiiert und getragen durch Engagement sowie Kollegialität.

Die Corporate Learning Community pflegt das Machen und den Austausch auf Augenhöhe -- auf BarCamps, in MOOCs und in vielen kleinen Projekten. Peer Learning at its best. Hier reiht sich auch das Format ein, dass wir mit LEX aufgebaut haben und weiter ausbauen wollen. Gerne weiterhin im intensiven Austausch mit der CLC!

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