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WIssenslandkarte aufbauen

Persönliche Wissenslandkarte aufbauen

Die Persönliche Wissenslandkarte dient dazu, einen systematischen und vollständigen Überblick über das gesamte in Bezug auf eine Stelle relevante Wissen herzustellen. Die persönliche Wissenslandkarte kann somit als Wissenslandkarte einer Person und ihrer Stelle betrachtet werden. Die persönliche Wissenslandkarte beinhaltet im Gegensatz zu einer einfachen Mind Map eine vorstrukturierte erste Ebene, um das Gedächtnis und damit das implizite Wissen des Experten systematisch zu aktivieren:

  1. Arbeitshistorie: Episodengedächtnis, Aufhänger für Geschichten zu große Erfolgen und großen Katastrophen in der Vergangenheit (s.a. Methode der kritischen Ereignisse).
  2. Aufgaben (und Rollen): prozedurales Gedächtnis, mit dem Wissen über organisationale Prozesse und die eigenen Aufgaben darin.
  3. Wissensgebiete: deklaratives Gedächtnis, Wissen zu welchen Fachgebieten benötigen die Aufgaben des Experten (oft auch Trends und Themen für die Zukunft).

ProTip: Alle drei Bereiche können bereits Ideen für die Ableitung des Maßnahmen-Plans beinhalten.

Persönliche Wissenslandkarte (MindManager) von @simondueckert, CC BY 4.0

Vorgehensweise (ca. 4 Stunden)

PHASE 1: Arbeitshistorie in der Persönlichen Wissenslandkarte im Bereich „Arbeitshistorie“ erheben. In einem normalen Expert Debriefing nimmt das ca. 20% der Zeit ein.

  1. In welchem Zeitraum könnte sich für den Nachfolger relevantes Wissen verbergen (z.B. Zeit beim aktuellen Arbeitgeber, x Jahre)?
  2. Welche groben Phasen gab es in diesem Zeitraum? Den Zeitraum jeweils in Klammern angeben (z.B. Firma xy (1987-1993)).
  3. Welche Aufgabenschwerpunkte und Ereignisse (positive und negative) gab es in den einzelnen Phasen?
  4. Welche wichtigen Geschichten ranken sich rund um die Arbeitshistorie (Erfolge, Katastrophen, Lustiges, Peinliches etc.)?

ProTip: für die Erarbeitung der Arbeitshistorie kann zur Auflockerung auch die Methode Lebenslinie verwendet werden.

PHASE 2: Aufgaben in der persönlichen Wissenslandkarte im Bereich „Aufgaben“ erheben. In einem normalen Expert Debriefing nimmt das ca. 60% der Zeit ein.

  1. Welche Aufgaben haben Sie? Hinweis: Format „Objekt + Verb“ (z.B. „Schulung durchführen“). Hinweis: wichtige Ansprechpartner, Dokumente, Tipps & Tricks können gleich mit erhoben werden, aber auf die Zeit achten.
  2. Lassen sich die Aufgaben Ihrer Stelle sinnvoll in einzelne Rollen gruppieren(z.B. Führungskraft, Projektleiter, Trainer)?
  3. Prüfen der Vollständigkeit mit hypothetischen Fragen, z.B. "Was könnte in den ersten 3 Monaten nach ihrem Ausscheiden gegen die Wand laufen?", "Was wäre das Schlimmste, was ihrem Nachfolger passieren könnte? Welche Aufgaben finden sich noch in den letzten/nächsten Monaten in Ihrem Kalender? Welche Aufgaben machen sie regelmäßig z.B. täglich, wöchentlich, monatlich, quartalsweise oder jährlich?
  4. Wie hoch ist aus Ihrer Sicht die Priorität jeder einzelnen Aufgabe Hinweis: 1 = muss, 2 = sollte, 3 = sollte erledigt werden Hinweis: sinnvolle Ebene für die Priorisierung finden, z.B. Ebene unterhalb der Rollen, Prioritäten nach oben aggregieren (i.d.R. durch Schnittbildung)

PHASE 3: Wissensgebiete, die für die Ausführung der Aufgaben benötigt werden, in der persönlichen Wissenslandkarte im Bereich „Wissensgebiete“ erheben. In einem normalen Expert Debriefing nimmt das ca. 20% der Zeit ein. Mit diesem Teil tun sich Experten meist am schwersten, da man so nicht über seine Arbeit nachdenkt.

  1. Abgeleitet aus den Aufgaben: Welche Wissensgebiete sind für die Ausführung Ihrer Aufgaben wichtig? Hinweis: Wissensgebiete in Lemma-Form (Grundwort, Singular) formulieren. Als Hilfe kann man dem Experten sagen, die Formulierung soll sein, wie bei einem HochschulLehrstuhl (z.B. aus Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften wird das Wissensgebiet Werkstoffwissenschaften). Hinweis: Strukturierungstiefe max. 3 Ebenen, 5±2 Einträge pro Ebene. Hinweis: wichtige Ansprechpartner, Dokumente, Tipps & Tricks können gleich mit erhoben werden.
  2. In welchen Wissensgebieten sind Sie Experte? Zu welchen Wissensgebieten haben Sie viel Erfahrung? Welche Fachzeitschriften, Newsletter, Blogs etc. lesen sie regelmäßgig? In welchen Fachgesellschaften sind sie Mitglied? Welche Fachkonferenzen und Veranstaltungen besuchen sie regelmäßig
  3. Zu welchen Wissensgebieten werden Ihnen von anderen Personen häufig Fragen gestellt?
  4. Wissensgebiete strukturieren. Hinweis: analog zum Aufbau von Wissenslandkarten gilt als Daumenregel: max. 3 Ebenen, 5±2 Einträge je Ebene.
  5. Wie hoch ist aus Ihrer Sicht die Priorität jedes einzelnen Wissensgebiets Hinweis: 1=sehr wichtig, 2=wichtig, 3=weniger wichtig
  6. [optional] Wissensquellen (Personen, Daten) zu den Wissensgebieten eintragen.

Nach dem Termin:

  1. Persönliche Wissenslandkarte überarbeiten (Rechtschreibung korrigieren, Sortierung der Zweige anpassen: nach Priorität, dann nach Alphabet, Farbcodes anpassen, Struktur bereinigen)
  2. [optional] Inhalte aus Arbeitshistorie, Aufgaben und Wissensgebiete in den Memex (z.B. OneNote, Wiki) übertragen, um Grundstruktur für die Dokumentation zu schaffen.
  3. Persönliche Wissenslandkarte als PDF exportieren, wenn die verwendete Mindmap-Software nicht bei allen Beteiligten verfügbar ist
  4. Persönliche Wissenslandkarte (und ggf. Memex) an Experten schicken (CC-Liste aus dem Vorgespräch verwenden) und um Korrektur/Ergänzung bitten

Ressourcen und Hilfsmittel

Tipps und Tricks

  • Die Aufgaben sollten aus Gründen der Übersichtlichkeit in einer flachen und nicht in einer hierarchischen Liste dokumentiert werden.
  • Häufig fallen dem Experten in den einzelnen Bereichen schon Maßnahmen ein, z.B. „da muss ich noch einen Projektbericht erstellen“. Die Maßnahmen entsprechend der Legende aufnehmen, so dass sie für sich aussagekräftig sind, z.B. „Bericht für Projekt XY fertigstellen“. Mit dem Mind Manager können über den Power Filter die Maßnahmen dann selektiert werden und per Copy & Paste in den Maßnahmen-Plan überführt werden.
  • Frühzeitig nach Logins und Zugängen zu IT-Systemen fragen (z.B. durch einen Zweig "IT-Systeme" in der Wissenslandkarte), um rechtzeitig Zugänge für Nachfolger zu beantragen.

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