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Mikrofone und Headsets

Mikrofone und Headsets

Eine Aufnahme wird niemals besser als ihr schwächstes Glied zulässt und vor allem kann eine einmal gesenkte Qualität in der Aufnahmekette nicht mehr aufgewertet werden (bestenfalls “gerettet”). Daher ist es erforderlich, schon am Beginn der Aufnahmekette darauf zu achten, keinen nennenswerten Fehler zu machen. Die richtige Wahl des Mikrofons ist dabei entscheidend, denn alles steht und fällt mit der Wandlung von Schall zu einem elektrischen Signal. Im Kern müssen zwei Arten von Mikrofonen unterschieden werden. Dynamische Mikrofone und Kondensator-Mikrofone. Beide sind für unterschiedliche Zwecke gedacht und geeignet und beide kommen für die Podcast-Produktion in Frage.

Originalbild: Marco Hitschler auf zirkusliebe.de, CC BY, <https://www.unmus.de/podcast-in-a-nutshell/>

  • Dynamische Mikrofone: Ein dynamisches Mikrofon erzeugt das elektrische Signal, indem die Schallwellen auf eine Membran auftreffen, deren Bewegung dann auf eine Spule übertragen werden. Diese Spule umschließt einen Magneten der durch Induktion einen Stromfluss in dieser Spule erzeugt. Dieser Stromfluss kann dann als Audiosignal weiter verarbeitet werden. Dynamische Mikrofone erfordern einen relativ hohen Schalldruck, was sich daran äußert, dass ihre Signale mit abnehmendem Abstand der Geräuschquelle (z. B. dem Sprecher) zum Mikrofon stark abnehmen. Nur eine nahe am Mikrofon befindliche Schallquelle wird vom Mikrofon gewandelt, leisere Quellen reißen schnell ab und werden nicht berücksichtigt. Damit ist ein dynamisches Mikrofon sehr unempfindlich gegen (auch laute) Hintergrundgeräusche. Der Vorteil ist aber auch ein Nachteil: ein dynamisches Mikrofon zwingt den Sprecher, den Abstand zum Mikrofon möglichst gering zu halten, was eine gewisse Erfahrung und Disziplin beim Sprechen erfordert. Für eine stationäre Aufnahme sind dynamische Mikrofone meist nicht die erste Wahl. Man kann diesen Nachteil etwas abmildern, wenn man sich für extrem hochwertige und damit auch sehr teure Mikrofone entscheidet, die qualitativ mit Kondensatormikrofonen mithalten können.
  • Kondensatormikrofone: Kondensatormikrofone arbeiten – wie der Name schon sagt – nach dem Kondensatorprinzip. Zwei sich in engem Abstand gegenüberstehende Metallplatten werden mit einer elektrischen Spannung geladen und erzeugen ein Magnetfeld. Auftreffende Schallwellen verändern den Abstand der beiden Platten und erzeugen einen entsprechenden Stromfluss. Gegenüber der Bewegung der Membran/Spule des dynamischen Mikrofons ist die Empfindlichkeit eines Kondensatormikrofons deutlich größer. Ein Kondensatormikrofon kommt daher dem Podcaster im Prinzip sehr entgegen und auch im professionellen Radio kommen selten andere Mikrofone zum Einsatz. Die Qualität ist bei gleichem Preis deutlich höher, Stimmen werden viel realistische abgebildet und auch kleinste Nuancen werden registriert. Für die Vorladung des Kondensators benötigen Kondensatormikrofone eine anliegende Spannung, die sogenannte Phantomspannung (oder auch Phantomspeisung). Diese liegt in der Regel bei 48V und wird von vielen Mikrofoneingängen mitgeliefert. Dies gilt es aber stets zu prüfen, nicht jeder Mikrofoneingang liefert Phantomspannung bzw. manchmal muss diese noch explizit ein- oder zugeschaltet werden. Auch hier ist der Vorteil ein Nachteil. Zwar sind bei dem empfindlichen Kondensatormikrofon dank der ungeheuren Empfindlichkeit Lautstärke und Nähe zum Mikrofon nicht mehr ganz so entscheidend, wie beim dynamischen Mikrofon, doch bedeutet dies auch, dass unerwünschte Hintergrundgeräusche viel eher mit auf der Aufnahme landen. Ein daraus resultierendes Problem kann das sogenannte Übersprechen sein: bei einer Aufnahme mit mehreren Mikrofonen kann eine laute Stimme von einem weiteren, ggf. zu empfindlich eingestellten Mikrofon mit aufgenommen werden. Dieses Übersprechen erzeugt schnell unerwünschte Halleffekte, auf die mit besserer Schalldämmung oder niedrigeren Eingangspegeln reagiert werden sollte.

Mikrofoncharakteristik: Jedes Mikrofon hat eine bestimmte Charakteristik, die bezeichnet, in welchem Bereich um das Mikrofon das Mikrofon besonders sensitiv ist. Üblicherweise unterscheidet man grob zwischen einer “Niere”, einer nierenförmigen Ausprägung des Aufnahmebereichs und einer “Kugel”, einem 360-Grad-Aufnahmbereich.

Die “Niere” ist aber nicht immer gleich. Man unterscheidet im Detail zwischen einfachen und sog. “Supernieren” und meint damit die konkrete Ausdehnung des Aufnahmebereichs, der mehr oder weniger eng gefasst sein kann. Richtmikrofone sind z.B. Mikrofone in denen die Niere so schmal gefasst ist, dass der Aufnahmebereich nur im unmittelbaren Frontbereich des Mikrofons gilt. Damit können Störgeräusche von der Seite umgangen werden, erfordern aber auch eine präzise Ausrichtung des Mikrofons.

Headsets: Kopfhörer sind für das Podcasting ein wichtiges Instrument und das nicht nur zum Abhören von Aufzeichnungen. Grundsätzlich empfehlen sich Kopfhörer schon für die Aufnahme von Podcasts, um die Qualität des erzeugten Tonsignals in Echtzeit zu überprüfen. Sind alle Teilnehmer einer Sendung mit Kopfhörern ausgestattet, vereinfacht dies auch die Kommunikation im Gespräch. Nebengeräusche können leichter ausgeblendet werden und man erhält zusätzlich noch die Möglichkeit, über das Mischpult zusätzliche Tonsignale einzuspielen (z.B. weitere Gesprächsteilnehmer über Telefon oder beliebiges aufgezeichnetes Audiomaterial, Hintergrundmusik). Allein schon aus atmosphärischen Gründen kann zu der Verwendung von Kopfhörern nur geraten werden, auch wenn dies die Initialkosten erhöht. Besonders interessant für Podcaster sind sogenannte "Hörsprech-Garnituren", im Volksmund auch Headsets genannt. Diese kombinieren Kopfhörer und Mikrofon. Da hier beide Komponenten qualitativ hochwertig sein sollten und der Tragekomfort stimmen muss, ist die Auswahl entsprechend niedrig. Headsets bieten einen weiteren Vorteil: dadurch, dass das Mikrofon direkt am Kopf befestigt ist, verändert sich der Abstand zur Mikrofonkapsel durch Kopf- und Körperbewegungen nicht. Ein einmal richtig eingestellter Mikrofonhals sollte dauerthaft konstante Ergebnisse liefern. Dies ist vor allem für mit dem Umgang mit Mikrofonen unerfahrene Gäste einer Sendung hilfreich. Eine gute Option sind z.B. die Beyerdynamic DT297 Modellserie, die gute Kopfhörer und für ihre Größe hervorragende Kondensatormikrofone kombinieren. Das Anschlusskabel ist zudem nicht fest verbunden, sondern kann über einen Stecker dem jeweiligen Längen- und Steckerbedarf angepasst werden. Beim Einsatz von Kopfhörern und Headsets kommt ein Aspekt ins Spiel, der von Einsteigern häufig übersehen wird: es ist wichtig, dass das Audiosetup den Main Mix möglichst verzögerungsfrei an die Kopfhörer liefert. Entstehen durch den Aufbau große Latenzen von mehreren Millisekunden, wird der Sprecher durch sein eigenes Audiosignal verwirrt. Dies gilt es zu verhindern. In einem rein analogen Setup, wo der Kopfhörer-Mix durch ein Mischpult erzeugt wird, sind Latenzen in der Regel kein Problem, da der Signallauf in Lichtgeschwindigkeit erzeugt wird. Werden allerdings Mikrofone per USB oder andere digitale Schnittstellen über einen Computer geleitet und der Kopfhörer-Mix zunächst durch eine Kaskade von Software und Modulen geleitet kann es zu erheblichen Verzögerungen kommen, die sich störend auswirken. Diese Hörlatenz ist auf jeden Fall zu vermeiden.

Mikrofonvorverstärker: Das Ausgangssignal eines Kondensatormikrofons ist deutlich niedriger als das eines dynamischen Mikrofons. Es muss daher am Mikrofoneingang zusätzlich verstärkt werden - der sogenannte Mikrofon-Vorverstärker. Qualitativ minderwertige Vorverstärker können dabei auch das beste Kondensatormikrofon nutzlos machen, da sie zu viel Rauschen hinzufügen oder einfach nur unsauber verstärken und das Signal verzerren. Bei der Wahl eines Mischpultes sollte daher nicht nur auf die reine Mischfunktionalität oder vorhandene Ein- und Ausgänge geachtet werden - auch die Qualität der Mikrofoneingänge sollte geprüft werden. Für einfache Anforderungen sollten die meisten Mischpulte ausreichen, aber es prüfe wer sich ewig bindet. Neben Mikrofoneingängen in Mischpulten und Rekordern gibt es auch reine Mikrofonvorverstärker, die sich ausschließlich auf die Aufbereitung der Mikrofonsignale konzentrieren. Diese sind aber für einfache Podcast-Setups eher nicht erforderlich, es sei denn, man benötigt eine große Anzahl von separaten Eingängen, die einem ein Mischpult oder Audiointerface nicht bietet.

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