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Unser Handeln

Unser Handeln

Das globale Veränderungsprojekt: die Sustainable Development Goals (SDGs)

Die für nachhaltige Entwicklung notwendige gesellschaftliche Veränderung ist nur gemeinschaftlich und global erreichbar. Deshalb haben sich 2015 193 Staaten getroffen, um eine gemeinsame Zielsetzung zu erarbeiten. 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sind entstanden. Alle beteiligten Staaten haben sich verpflichtet, diese Ziele in nationale Entwicklungspläne zu überführen und umzusetzen.

Dieser globale Plan zur Förderung nachhaltigen Friedens und Wohlstands und zum Schutz unseres Planeten legt besonderen Wert darauf, die Bedürfnisse und Prioritäten der schwächsten Bevölkerungsgruppen und Länder zu berücksichtigen. Nur wenn niemand zurückgelassen wird, können die 17 Ziele bis 2030 erreicht werden.

Die Ziele mit ihren Unterzielen und Projekten sind hier detaillierter dargestellt.

Was im Großen auf staatlicher Ebene angedacht ist, kann dir eine Orientierungshilfe für dein eigenes Handeln und Wirken sein. Wie kannst du in deinem persönlichen Umfeld zur Erreichung dieser 17 Ziele beitragen?

Klimagerechtigkeit

Wenn wir über den Umgang mit der Klimakrise nachdenken, ist Gerechtigkeit ein zentrales Thema. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung hat mit 10% nur eine geringe Verantwortung für die CO2-Emissionen. Die reichsten 10% sind für rund 47 % aller Kohlenstoffdioxid-Emissionen verantwortlich. Die Gesamtemissionen der reichsten 1% liegen über denen der ärmeren 50%. Quelle

Hauptursache der weit größeren CO2-Emissionen der Reichen sind die größere Wohnfläche, die größeren Autos, aber vor allem das häufige Fliegen, besonders in Privatjets. Die ärmeren Länder und die ärmere Bevölkerung in den wohlhabenderen Ländern sind stärker von Wetterextremen und steigenden Preisen für Nahrungsmittel und Wasser bedroht als reiche Menschen. Hitzewellen holen sich in den armen Stadtvierteln mehr Tote als in den reichen Vierteln.

"Lange Trockenzeiten zerstören Ackerflächen. Extreme Wetterereignisse wie Wirbelstürme und Überschwemmungen führen zu Ernteeinbußen. Hitzewellen wirken sich auf die Gesundheit von Nutztieren aus. Landwirt:innen verlieren nicht nur die Möglichkeit, ihre Ernte zu verkaufen, sondern auch die Nahrungsquelle für ihre Familien." Quelle

Hebel und Wirksamkeit von Aktivität

Viele von euch werden mit der Erwartung an diesen Leitfaden treten, dass es darum geht, was du in deinem Leben ändern kannst, um dich nachhaltiger zu verhalten. Das ist auch ein Teil der Lösung.

Gleichzeitig müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass individuelle Verhaltensveränderungen nicht ausreichen werden, um innerhalb der planetaren Grenzen zu bleiben. Ein subjektives Gefühl der Wirksamkeit im persönlichen Umfeld ist für viele von uns wichtig (siehe auch Klimagefühle in Woche 2) - das Problem ist nur, dass diese Wirksamkeit zum Teil eine Illusion ist.

In Deutschland kann ein einzelner Mensch auch mit hoher Anstrengung die Grenze des CO2-Fußabdrucks nicht unter ca. 5 CO2 Tonnen Emission pro Jahr drücken. Insofern sind unserer Wirksamkeit durch Konsumverhalten, Mobilität und Wohnen Grenzen gesetzt, die weit über der einen Tonne CO2 liegen, die notwendig wäre für Klimaneutralität.

Deshalb müssen wir für eine größere Wirksamkeit auch größere Hebel anfassen. Das kann kein Mensch alleine leisten. Dieser Lernzirkel wird dich dabei begleiten, für dich den richtigen Weg zu finden - zu einer größeren Wirksamkeit mit Freude.

Hebel_der_Wirksamkeit Abbildung: Antje Holst, CC-BY-4.0

Wir starten mit einem Fokus auf die Wirksamkeit als Einzelperson in Woche 4.

In den Wochen 6 bis 10 machen wir die ersten Schritte zu einer kollektiven Wirksamkeit. Hier geht es darum, den eigenen Handabdruckzu vergrößern.

Indem wir uns mit anderen Menschen zusammentun und zum Beispiel in der Firma, der Schule oder der Gemeinde Strukturen anpassen, vergrößern wir unsere Wirksamkeit. Denn dann ist es zum Beispiel nicht nur die eigene Familie, die weniger Fleisch isst, sondern viele Menschen ändern ihre Ernährungsgewohnheiten, wenn zum Beispiel die Qualität des vegetarischen Essens in der Kantine steigt.

Das Schöne ist, dass durch kollektive Aktivitäten auch die Ohnmachtsgefühle abnehmen. Häufig bringt es sogar Freude, zusammen mit anderen lokal wirksam zu werden.

Aber auch lokale Projekte haben einen vergleichsweise kleinen Hebel, weil unsere gesellschaftlichen Systeme nicht in der Balance sind.

Beispiel Lebensmittel-System:

Während die Lebensmittelproduktion mit ein Drittel aller Treibhausgasemissionen erheblich zur Klimakrise beiträgt (und außerdem 70 Prozent des weltweiten Süßwassers verbraucht und den Verlust der Biodiversität vorantreibt), ist die Art der Lebensmittelproduktion weit davon entfernt das Wohl der Menschheit zu fördern. Über 780 Millionen Menschen leiden an Hunger, und fast ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wird verschwendet, während gleichzeitig fast drei Milliarden Menschen sich keine gesunde Ernährung leisten können.

Beispiel Recycling-System:

99% des Plastiks werden aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Deswegen recycelt ein hoher Prozentsatz der deutschen Plastikverpackungen im Gelben Sack. Aber nur 20% des Plastiks aus dem Gelben Sack wird wieder zu neuen Produkten recycelt. (Quelle: Podcast NDR Info "Plastik-Recyling - mehr rausholen aus dem Gelben Sack")

Jetzt kannst du dich fragen, was du dazu machen kannst, um auf gesellschaftliche Systeme einzuwirken? Auch hierzu wirst du für dich in diesem Lernzirkel nächste Schritte entdecken. [Denn es reicht, wenn schon ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung aktiv wird: Erica Chenoweth, Po­li­tik­wis­sen­schaft­le­r:in aus den USA, forscht zu gewaltfreiem Widerstand und hat Protestbewegungen gegen Regime aus den letzten 100 Jahren untersucht. Chenoweths Forschungsergebnisse sind ermutigend und zeigen, dass Bewegungen erfolgreich sind, wenn nur 3,5 Prozent der Bevölkerung ihre Einstellung/Verhalten ändern.

Alleine ist unsere Wirksamkeit sehr beschränkt - und wird der Ernsthaftigkeit der Lage und der Stärke unserer Klimagefühle nicht gerecht. In den nächsten Wochen wirst du für dich konkrete Schritte entdecken, wie du deine Wirksamkeit erhöhen kannst.

Handabdruck

Germanwatch e.V. stellt in diesem Video das Handabdruck-Konzept vor, das die positiven und nachhaltigen gesellschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten beschreibt.

Im Unterschied zum Fußabdruck, der sich auf die negativen ökologischen Folgen der menschlichen Lebensweise bezieht, erfasst der Handabdruck die Möglichkeiten, Rahmenbedingungen so zu verändern, dass nachhaltiges Verhalten für alle leichter wird. Handabdruck-Engagement setzt immer an Strukturen, Regeln, Rahmenbedingungen oder Gesetzen an, um Nachhaltigkeit bleibend und für viele Personen zu verankern.

Deine Handabdruck-Vergrößerung ist damit auch die Fußabdruckverkleinerung anderer Menschen. (G.Baunach, "Hoch die Hände Klimawende", S.41)

Fußabdruck

Beim CO2-Fußabdruck und ökologischen Fußabdruck geht es um die negativen Auswirkungen des Verhaltens.

Der ökologische Fußabdruck zeigt, wie viel biologisch produktive Land- und Wasserflächen ein Individuum, eine Bevölkerung oder eine Aktivität benötigt, um alle konsumierten Ressourcen zu produzieren und die anfallenden Abfälle zu absorbieren. Dabei fließt die Nutzung von Ackerland, Weideland, Waldflächen, Fischgründen und bebauten Flächen sowie die CO2-Absorption in die Berechnung ein.

Bei der Berechnung des Fußabdrucks ist die gesellschaftliche Infrastruktur mit eingerechnet.

Der CO2-Fußabdruck ist eine Maßeinheit für den gesamten Betrag der CO2- Emissionen, welche direkt von Personen oder Produkten verursacht werden, sowie durch Lebenssituationen und Aktivitäten entstehen. Er ist nur ein Teil des ökologischen Fußabdrucks.

Wenn du magst, schau mal, was dein ökologischer Fußabdruck ist!

Viele denken bei der eigenen Wirksamkeit als erstes an die Reduzierung des eigenen Fußabdrucks. Dabei haben Haushalte mit ca.10% nur einen sehr geringen Anteil an den CO2 Emissionen Umweltbundesamt

Deswegen ist es deutlich zielführender, den Fokus auf den eigenen Handabdruck zu legen!

Wenn man als Einzelperson versuchen möchte, klimafreundliche Entscheidungen zu treffen, dann sind nicht alle gleichermaßen wirksam:

Schwierigkeitsgrad_Wirksamkeit_2025 Abbildung: T Brudermann & A Hoeben, Die Kunst der Ausrede (oekom Verlag), Schwierigkeitsgrad und Wirksamkeit klimafreundlicher Entscheidungen. CC-BY-ND

Inner Development Goals (IDGs)

Welche Fähigkeiten brauchen wir, um mit der komplexen Welt und ihren Herausforderungen auf gute Weise umzugehen? Die "inneren Entwicklungsziele" (IDGs) , beschreiben die dazu nötigen Kompetenzen und Wege, sie zu entdecken und zu stärken. Die Kompetenzen wurden fünf Dimensionen zugeordnet: Being, Thinking, Relating, Collaborating, Acting.

Die Dimensionen beschreiben 23 Fähigkeiten und Qualitäten des menschlichen inneren Wachstums und der menschlichen Entwicklung.

Das Rahmenwerk wurde von einem Team internationaler Forscher:innen nach einer umfassenden Outreach-Konsultation mit mehr als tausend Personen entwickelt.

Weitere Informationen dazu findest du hier

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